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Zur Geschichte der Adria - Eine tektonische Studie

Baron Nopcsa, Franz

Kurzfassung

Anläßlich einer auf einem Motorrade durchgeführten Bereisung Italiens, welche den großen Vorteil hatte, die verschiedensten geologischen Formationen des Landes rasch vor Augen zu führen, so daß man mit frischen Eindrücken von einem Orte zum anderen gelangte, wurden nebst dem Apennin auch der Monte Gargano und die Apulische Tafel besucht. Die Apulische Tafel wurde auf der Fahrt von Altamura über Fasano, Bari, Rivo und Corato nach Barletta besichtigt, der sonst ziemlich unzugängliche Gargano wurde am Wege von Manfredonia nach Rodi überquert; sein Eozän wurde bei Peschici und sein Westrand am Wege von Rodi nach San Severo untersucht. Bei dem Besuche des Gargano leistete mir CHECCHIA-RISPOLIS'S 1928 erschienene geologische Karte (1) ausgezeichnete Dienste, deren Exemplar ich der Liebenswürdigkeit des Direktors des Reale Ufficio Geologico in Rom verdanke. Da dem Besuche Apuliens teilweise noch am selben Tage eine Durchquerung des Flysch-Apennins bei Potenza vorausgegangen war und sich der Gargano-Überquerung sofort ein Besuch des Flysch-Apennins bei Campobasso anschloß, konnte der radikale Gegensatz zwischen dem gefalteten und scheinbar auch bei Potenza und zwischen Agnone und Isernia durch Überschiebungen charakterisiertem Teile Unteritaliens dem bloß schwach unduliertem Teile und dem dazwischen liegendem Jungtertiär ausgezeichnet erfaßt werden. Als wesentliches Ergebnis der Reise ergibt sich in Übereinstimmung mit den Beobachtungen von SEIDLITZ (2), daß das Eozän und die obere Kreide Apuliens faziell (3) mit jener des Gargano ident ist und daß diese Kreide wahrscheinlich wieder mit der flach gelagerten Kreide des Monte Conero (4) bei Ancona zusammenzustellen ist. Aus der unteren Kreide Apuliens erwähnt SACCO Toucasia carinata, aus der oberen Kreide u. a. Radiolites peuceticus, Biradiolites dainelli, Bournonia excavata, Sauvagesia paronai, Durania apulä, Durania martellii. Vom Monte Conero sind aus dem Turon Biradiolites cornupastoris und aus dem Senon zahlreiche Lepidocyclinen (L. gensacica, L. tissotti SCHLUMB., L. minor SCHLUMB., L. media D'ARCH., L. appiculata SCHLUMB., L. socialis LEYM., L. cremai PERV.), Sideroliten (S. calcitrapoides LMK., S. rhomboidalis Os., S. preveri Os.) und Orbitoliten bekannt geworden. ...