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Zur Frage der Erdölhöffigkeit Thüringens

Deubel, F.

Kurzfassung

Durch den überraschenden Erdölfund des Kaliwerks Volkenroda ist die Frage der Erdölhöffigkeit Thüringens, d. h. des thüringischen Zechsteins, im Laufe ganz kurzer Zeit auf ein recht lebhaftes Interesse gestoßen. Die zunächst zwar geringe, dann aber rasch steigende Produktion Volkenroda's gab den Anlaß, nicht nur das thüringische, sondern auch das weitere Verbreitungsgebiet des Hauptdolomits im Mittleren Zechstein als produktionshöffig zu betrachten und darüber hinaus sogar die Bildung der hannoverschen Lagerstätten mit der Erdölführung des Zechsteins in Beziehung zu bringen. Nachdem bereits mehrfach in der Literatur zu diesen Fragen Stellung genommen wurde und nachdem für Thüringen nunmehr auch ein gewisses Beobachtungsmaterial vorliegt, dürfte es angebracht sein, an dieser Stelle die wichtigsten Gesichtspunkte zu einem knappen Überblick zu vereinigen. Hierbei muß man natürlich von der bisherigen Volkenrodaer Aufschlußtätigkeit ausgehen, deren grundlegende Ergebnisse man nach H. ALBRECHT (1932) in folgender Weise kurz zusammenfassen kann: 1. Der erdölführende Hauptdolomit ist bei Volkenroda im wesentlichen nur als Speichergestein anzusprechen. Öl und Gas finden sich in ihm auf Ablösungsflächen, und zwar nur ausnahmsweise auf Schichtfugen, häufig dagegen auf transversalen Klüften und Schnitten. Von den Klüften ausgehend ist das Öl in alle erreichbaren Risse eingedrungen und hat z. T. das Gestein selbst imprägniert. 2. Die Ölführung des Hauptdolomites ist anscheinend auf die Antiklinalzonen des salinaren Untergrundes beschränkt. In Muldengebieten sind bisher keine Bohrungen fündig geworden. In den tieferen Teilen der Sattelschenkel wurden bei mittlerem Gasdruck die besten Ölausbeuten erzielt. Im Bereich der Sattelscheitel ist höherer Gasdruck die Regel; die anfallenden Gasmengen sind in den Scheitelzonen groß, die Ölergiebigkeit ist geringer. 3. Auf die Frage nach der Herkunft des Erdöls kann eine erschöpfende Antwort bisher nicht gegeben werden. Da eine Einwanderung aus dem Liegenden des Zechsteins aus zahlreichen Gründen als so gut wie ausgeschlossen bezeichnet werden muß, kann die Entstehung des Öls nur im Zechstein selbst gesucht werden. Dabei ist - nach den Volkenrodaer Ergebnissen - eine Herkunft aus dem Unteren Zechstein weniger wahrscheinlich als eine seitliche Zuwanderung aus primärbituminösem Hauptdolomit bzw. der den Hauptdolomit vertretenden Stinkschieferfazies (HEIDORN & SCHLÜTER, 1931). Die vorstehende kurze Zusammenfassung der Volkenrodaer Aufschlußergebnisse liefert zugleich die Richtlinien für den Versuch, zu der Frage einer Erdölhöffigkeit des weiteren thüringischen Gebietes Stellung zu nehmen. ...