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Die stratigraphische Bedeutung der Mikroorganismen, insbesondere der Foraminiferen der Unterkreide im nordwestdeutschen Erdölbecken

Eichenberg, W.

Kurzfassung

Im allgemeinen ist man geneigt, den Foraminiferen den Wert als Leitfossilien, wie er z. B. den Belemniten und Ammoniten zukommt, abzusprechen; ausgenommen waren bisher hiervon Nummuliten, Fusulinen, Alveolinen und Orbitoiden. Nun hat man aber seit dem Jahr 1917 in Amerika die Erforschung der Foraminiferen in größerem Stile vorgenommen. Die Ergebnisse sind für die Ölindustrie äußerst brauchbar geworden, das geht schon daraus hervor, daß mehrere Ölgesellsehaften eigene Laboratorien haben, viele Foraminiferen-Forscher von Ölgesellschaften beschäftigt werden und eine Foraminiferenzeitschrift, Journal of Palaeontology, von der American Association of Petroleum Geologists herausgegeben wird. Ich bearbeitete auf Vorschlag von Herrn O. STUTZER und mit finanzieller Unterstützung der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft die Foraminiferen unserer norddeutschen Erdölfelder. Zunächst wurde in Arbeit genommen die Unterkreide, jenes wichtige Deckgebirge der norddeutschen Ölfelder mit ihren über 1000 m mächtigen, tonigen, fast gleichfarbigen Sedimenten, die äußerst rnakrofossilarm sind. Ich begann damit, paläontologische Unterlagen für die Untersuchungen zu schaffen. Dazu dienten die ausgezeichneten Aufschlüsse in der Unterkreide von Wenden am Mittellandkanal, die ich unter Führung von A. KUMM-Braunschweig besuchte, und wo ich horizontsichere Tone, durch zahlreiches Belemniten- und Ammonitenmaterial belegt, sammeln konnte. Dieses Material, meist aus blauschwarzen bis grauen, fetten Tonen bestehend, wurde in Freiberg weiter behandelt. Die Tone wurden mit dem chemisch neutralen Na2SO4 (Glaubersalz) aufgeschlossen und in einem besonders konstruiertem Schlämmapparat gewaschen. Nach dem Schlämmen und Auslesen wurde versucht, die einzelnen Neokomhorizonte durch die Mikroorganismen, besonders durch die Foraminiferen, zu charakterisieren. Die Ergebnisse sind als ausgezeichnet zu betrachten. Es kam mir dabei im großen und ganzen nicht so sehr darauf an, alle einzelnen Arten zu erkennen, sondern den Typus der Gesamtfauna der Foraminiferen einerseits, der Serpein, Ophiuren, Bryozoen und Ostracoden andererseits festzulegen, also auf die Faunenvergesellschaftungen. ...