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Die Gewinnung von Gasolin aus Erdgas und die erste Gasolingewinnungsanlage in Deutschland nach dem Aktivkohleverfahren der Carbo-Union bei der Gewerkschaft Elwerath

Reisemann, E.

Kurzfassung

Mit ,Gasolin" bezeichnet man das im Erdgas dampfförmig enthaltene Leichtbenzin, es ist ein Gemisch von vorwiegend Paraffin-Kohlenwasserstoffen, Butan C4H10 (Siedepunkt 1° C), Pentan C5H12 (Sp. 36°), Hexan (Sp. 69°) bis etwa Nonan (Sp. 128°) und Resten Schwererer. Diese Stoffe waren ursprünglich im Erdöl gelöst und sind infolge der Durchmischung von Erdöl und Gas in der Bohrung bzw. bei der Entspannung im Separator verdampft. Die Gasolinzusammensetzung ist somit von der des Erdöles abhängig, der Gasolingehalt im Gas hängt von dem Verhältnis Gas zu Öl und wesentlich von dem Druck im Separator ab (siehe Tabelle). Abhängigkeit des Gasolingehaltes im Gas vom Druck im Separator: ... Weitgehende Entspannung im Separator ist daher vorteilhaft, um so mehr, als die im Rohöl bei ungenügender Entspannung verbliebenen Gasolinbestandteile größtenteils während der Lagerung und Weiterverarbeitung verlorengehen. Gewinnung des Gasolins: Die Gewinnung des Gasolins aus dem Erdgas erfolgt mit Aktivkohle nach dem sogenannten Bayerverfahren (Erfinder J. G. Farbenindustrie, früher Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer, Leverkusen) der Carbo-Union, Frankfurt a. Main. Die Gasolin-Anlage; bei der Gewerkschaft Elwerath wurde von der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau-A.-G., Köln-Bayenthal, gebaut, anstelle einer früheren nach dem Waschöl-Verfahren arbeitenden Anlage. Die aktive Kohle ist die sogenannte T-Kohle der Carbo-Union, sie ist aus pflanzlicher Zellsubstanz hergestellt. Es sind Körner in Form kurzer abgerundeter Zylinder, die aus einem Kohlenstoffgerüst bestehen, welches feinste Poren bildet, deren Durchmesser zum Teil auf etwa nur 1-2 millionstel Millimeter berechnet wird. Die Oberfläche von 1 g Aktivkohle ist etwa 600 qm. Die in den Poren wirksamen Kapillarkräfte sind wegen des geringen Porendurchmessers außerordentlich groß und wirken auf organische Dämpfe komprimierend, ihre Wirkung entspricht einem Druck von ungefähr 20 000 atom. Leitet man dämpfehaltige Gase durch die Kohle, dann werden die Dämpfe komprimiert und in den Poren kondensiert (adsorbiert). Die Gase gehen dämpfefrei hinaus. Diese Eigenschaft aktiver Kohle ist zuerst allgemein angewandt worden bei den Gasmaskeneinsätzen. ...