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Zur Tektonik und Morphologie Niederhessens

Schwarz, Friedrich

Kurzfassung

Einleitung: Die vorliegende Arbeit behandelt ein Gebiet am Nordrande der niederhessischen Senke, das zwischen dem Habichts-, dem Reinhards- und dem Kaufunger Wald liegt und vom nördlichen Teil des Kasseler Beckens eingenommen wird. Es wird durch die Orte Hohenkirchen, Knickhagen, Sandershausen und Rothenditmold begrenzt. Das von triadischen und tertiären Schichten eingenommene Gebiet ist besonders interessant wegen des Aneinanderstoßens zweier tektonischer Einheiten, nämlich des aufsteigenden Buntsandsteinfundamentes des Reinhards- und Kaufunger Waldes mit auffallenden Flußschlingen in engen Tälern und der jungen niederhessischen Senke mit einer ausgesprochenen Beckenbildung bei Kassel. Eine in den Sommern 1928 und 1929 vorgenommene Kartierung und das Studium der Aufschlüsse gestattete eine stratigraphische Gliederung der Tertiärschichten und eine zeitliche Festlegung der tektonischen Bewegungen. Dadurch ergab sich die Möglichkeit, sowohl die oben angedeuteten lokalen Probleme zu klären, als auch zu den allgemeinen Hypothesen über die Sedimentation, Abtragung und Erhaltung des Tertiärs Stellung nehmen zu können. I. Stratigraphie: Eine Kartierung zwischen Kassel und dem Reinhardswalde (SCHWARZ, 1930) ergab die Anwesenheit folgender Schichten (die eingeklammerten Bildungen kommen in der weiteren Umgebung vor, fehlen aber im Kartengebiet): Die geologische Karte der Gegend (S. 517; siehe auch SCHWARZ, 1930) zeigt als mesozoisches Fundament folgende Buntsandsteinglieder: Röt (so), Bausandstein (sm2), Tonsandstein (sm1), Diese Bildungen folgen von ONO nach WSW aufeinander und sind häufig durch Störungen voneinander getrennt. Die mitteleozäne Braunkohlenstufe ist in der Regel dem Röt aufgelagert und nimmt den Raum der Möncheberger Halbmulde ein, die im Osten und Nordosten an einer gezackten, nördlich und nordwestlich laufenden Störung endet. Jenseits, d. h. östlich dieser Störung führen streichende Randstaffeln, auf denen häufig die Hauptquarzitschichten erhalten sind, zu den Buntsandsteintafeln empor. Der Buntsandstein ist ebenfalls gestört und enthält im Nordosten Grabenbrüche, in denen Kasseler Meeressand erhalten ist. ...