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Sedimentation und Faltung im Ruhroberkarbon

Keller, Gerhard

Kurzfassung

I. Fragen der Sedimentation und Faltung im Ruhrkarbon: Aus Beobachtungen über Mächtigkeitszunahmen zwischen den Leitflözen des Ruhroberkarbons in den Mulden und über eine z. T. höhere Faltungsintensität in größeren Tiefen folgerte BÖTTCHER (1925, 1927), daß während der Karbonzeit in der subvariscischen Saumtiefe Westfalens und benachbarter Teile des Rheinlandes Sedimentation und Faltung gleichzeitig stattgefunden hätten. Schon von anderer Seite ist eine Verallgemeinerung der Beobachtungen und der daraus gefolgerten Schlüsse nicht anerkannt worden (WUNSTORF 1928, OBERSTE-BRINK 1929), denn es sind Sattel- und Muldengebiete bekannt, in denen Mächtigkeitsänderungen im obigen Sinne nicht vorliegen. Unter anderem dürften die Profilergänzungen bis über 2 km Tiefe und die in der Faltungstiefenstufe erfaßte Zunahme der Faltungsstärke nur in bestimmten Mulden und Profilabschnitten zutreffen. Die Faltungsintensität stratigraphisch gleicher Horizonte ist in benachbarten Hauptmuldenteilen ganz verschieden. So ist z. B. Flöz Sonnenschein in der Bochumer Mulde zwischen Kupferdreh und Steele stärker gefaltet als in der Essener Mulde in den Grubenfeldern des Stadtteiles Essen-West und besonders, worauf mich Herr Markscheider Schulte-Bochum aufmerksam machte, im westlichen Teil der Emscher Mulde. Hier liegt unverkennbar eine Abnahme der Faltungsintensität nach Norden vor. Daß auch nach der Tiefe eine gesetzmäßige Zunahme der Faltungsintensität nicht allgemein auftritt und dort, wo sie vorhanden ist, auf besonders gut faltbare Profilabschnitte sich beschränkt (s. auch BÄRTLING, 1926), geht z. B. aus den Lagerungsverhältnissen der mobileren Fettkohlenschichten bei Dortmund gegenüber dem tektonischen Bau der starreren Magerkohlenschichten, wie insbesondere des Senkbankkonglomerates in den südlichen Spezialmulden des Produktiven zwischen Herdecke und Schwerte hervor, wo das beiderseitige Einfallen der Muldenflügel zum Teil nur 10-15° beträgt (Kückshausen, Blatt Schwerte). Diese verschiedenartigsten Erscheinungen mit einer kontinuierlichen Faltung während der Sedimentation des Karbons deuten und die Änderungen der Faltungsintensität für das ganze Gebiet gesetzmäßig erfassen zu wollen, läßt sich nach den zu beobachtenden Verhältnissen nicht durchführen. ...