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Gleichzeitigkeit von Sedimentation und Faltung

Stach, Erich

Kurzfassung

Nach den von K. LEHMANN (1919, 1920) und H. BÖTTCHER (1925, 1927) dargelegten Anschauungen muß. im westfälischen Ruhroberkarbon mit einer teilweisen Gleichzeitigkeit von Sedimentation und Faltung gerechnet werden. Beweis hierfür ist die Zunahme der Faltungsstärke nach der Tiefe und die allgemein zu beobachtende größere Mächtigkeit der Sedimente in den Mulden gegenüber den Sätteln. Die Ergebnisse dieser sehr sorgfältigen, umfangreichen Untersuchungen sind durch die Arbeiten R. BÄRTLING'S (1927) bestätigt worden, der zu dem Schluß kommt, daß die sudetische, erzgebirgische und asturische Gebirgsbildungsphase H. STILLE'S im Ruhrbezirk nicht nachweisbar ist. G. KELLER (1928, 1930, 1931) hat versucht, die Anschauung der Gleichzeitigkeit von Sedimentation und Faltung zu widerlegen. Es muß zunächst betont werden, daß KELLER die Beobachtungstatsachen, Zunahme der Sedimentmächtigkeit in den Mulden und Anwachsen der Faltungsstärke mit der Tiefe, worüber ja auch einwandfreie markscheiderische Unterlagen vorliegen, anerkennen muß. Dennoch versucht KELLER das heutige tektonische Bild des Ruhrkarbons durch lediglich nachträgliche Faltung zu erklären. Er stellt z. B. folgende Forderung auf (1.931): ,Wenn die erwähnte Gestaltung (Schwellen und Senken. E. ST.) des Saumtiefenbodens vorhanden gewesen wäre, müßte man Faziesanzeichen für tiefere Wasserbedeckung vor allem in den heutigen wie damaligen Mulden, für flachere Wasserbedeckung auf den heutigen wie damaligen Sattelkuppen nicht nur für den Absatz irgendeines Schichtengliedes, sondern auch zeitlich nacheinander bis zum hangendsten Flöz erwarten." Auf die Berechtigung dieser Forderung soll noch eingegangen werden. Ferner weist KELLER (1931) darauf hin, daß die Kohlenausbildung über Tiefenunterschiede Auskunft gäbe, ohne allerdings bei dieser Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß hierüber bereits Untersuchungen vorliegen (LEHMANN und STACH, 1930), die jedoch gegen die KELLER'sche Auffassung und für die Gleichzeitigkeit sprechen. Wie schon von jeher angenommen und wie insbesondere durch die moderne Kohlenpetrographie gezeigt worden ist, ist die Mattkohle (der Durit) an feuchteren Stellen im Steinkohlenmoor entstanden. Die Entstehung von Kennel- und Bogheadkohle setzt sogar eine größere zusammenhängende flache Wasserbedeckung voraus. Natürlich senkte sich das Moor im großen und ganzen recht gleichmäßig. Ganz geringe - und es handelte sich bestimmt um außerordentlich geringe - Senkungsverschiedenheiten mußten eine Anreicherung an Mattkohlenlagen in den Mulden hervorrufen. Dies ist von LEHMANN und STACH ausführlich geschildert worden, weshalb hier darauf verwiesen sei. ...