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Die saxonische Tektonik in Schlesien

Rode, Karl

Kurzfassung

In den allgemeinen und zusammenfassenden Darstellungen der saxonischen Tektonik nimmt Ostelbien einen recht bescheidenen Raum ein. Das liegt in erster Linie an den geologischen Verhältnissen selbst. Von der Ostsee bis zu den Sudeten bedeckt ein dicker Mantel diluvialen Schuttes den Untergrund, den anders als in Nordwest-Deutschland nur wenige Bohrungen durchsunken haben, was wiederum seine geologischen Gründe hat. Im schlesischen Gebirge endlich ist das Mesozoikum so lückenhaft und ärmlich entwickelt, daß hier für die zeitliche Feingliederung der postvariszischen Krustenbewegungen, die im eigentlichen Saxonien von STILLE und zahlreichen anderen Forschern durchgeführt werden konnte, so gut wie jeder Anhalt fehlt. Außerdem sind die Lagerungsstörungen typologisch so einfach und schlicht, daß geotektonische Gedankenbildung irgendwelcher Art keine rechte Anregung findet. Ich möchte nun den Nachweis versuchen, daß gerade die einfachen, ja ärmlichen Verhältnisse Schlesiens für unsere Anschauungen über den Mechanismus der saxonischen Krustenbewegungen von Wichtigkeit sind. So bedauerlich im Hinblick auf die erwünschte Altersbestimmung von Bewegungsvorgängen das primäre Fehlen ganzer Formationen und großer Formationsstufen auch ist, so ist das doch nicht nur als Mangel zu bewerten. Die völlige Abwesenheit der Zechsteinsalze, d. h. einer mobilen Zone an der Basis der mesozoischen Schichtenfolge ist eine geomechanisch äußerst bedeutungsvolle Tatsache: Die ganze dem Grundgebirge aufliegende Sedimentdecke bildet hinsichtlich ihrer Verformbarkeit eine Einheit und ist mit dem Sockel des alten Gebirges fest verbunden. Gewisse disharmonische Bewegungen des mittleren Muschelkalks im Bober-Katzbachgebirge sind ganz lokal von geringer Bedeutung. Die regionale Schichtlücke Schlesiens reicht von der oberen Trias bis zur unteren Kreide einschließlich; nur im östlichen Oberschlesien schiebt sich Keuper und Dogger, in Polen auch Malm ein. Im übrigen hat Umfang und Größe des Sedimentationsgebietes im Verlauf der mesozoischen Ära sich mehrfach geändert, so daß die Mächtigkeit der von saxonischen germanotypen Störungen erstmalig tektonisch beanspruchten Schichtenfolge örtlich recht verschieden ist. Im Bereich des Muldenkomplexes des Bober-Katzbachgebirges überlagert maximal 650 m Kreide mit lokaler schwacher Diskordanz Muschelkalk und Buntsandstein, darunter folgen Zechstein und Rotliegendes, das durch die Einschaltung von Melaphyren und Porphyren mächtig anschwillt, so daß wir mit präkretazischen Schichten von 700 bis 900 m Mächtigkeit zu rechnen haben. ...