Original paper

Kaolinkristalle in Moskauer Braunkohle (Kaolinkristalle als Pseudofossilien.)

Stutzer, O.

Kurzfassung

Auf der Braunkohlentagung in Halle (1930) hielt ich einen Vortrag über die Unterkarbonische Braunkohle von Moskau, dessen Inhalt als Aufsatz in dieser Zeitschrift erschien. Ich möchte auf Abbildung 4 jener Abhandlung hinweisen. Sie zeigt im Dünnschliffbild der Moskauer Kohle Durchschnitte eigenartiger kleiner Gebilde. Diese waren durchsichtig, zeigten Doppelbrechung, scharfe Begrenzung und Spaltbarkeit. Über diese Gebilde, die man auch mit der Lupe im Handstück deutlich sah, schrieb ich damals ungefähr folgendes: Es sind kleine Tonstengel vom Durchmesser eines Stecknadelkopfes. Sie sind in der Kohle manchmal in großer Menge eingestreut, bisweilen auch zu einem Nest vereint. Betrachtet man sie mit der Lupe, so sieht man, daß sie in ihrer Längserstreckung gekantet und gerieft sind. Sie sind im Durchschnitt vier- oder sechseckig, und spalten senkrecht zu ihrer Länge. Wir hielten diese Formen für organische Reste, zunächst für Crinoidenstiele. Spezialisten, denen wir sie sandten (z. B. Herrn W. E. SCHMIDT - Berlin), verneinten dies, konnten aber keine positive andere Auskunft geben. Auffallend war, daß sie nicht aus Calcit bestanden, sondern aus Ton, wie eine chemische Schnellanalyse ergab, die ich im Chemischen Institut unserer Bergakademie ausführen ließ. Konnte es eine Metasomatose von Ton nach organischem Calcit sein? Lange haben sich Herren meines Institutes mit der palaeontologischen Bestimmung dieser vermeintlichen Organismen geplagt. Eine Aufklärung erhielten wir nicht. Durch Zufall gelangte vor kurzem die Abhandlung der U. S. Geological Survey, Professional Paper 165 E, The Kaolin Minerals, von CLARENCE S. Ross und P. F. KERR, Washington 1931, in meine Hände. Diese Schrift brachte die Lösung unseres Problems. Abbildungen zeigten hier dieselben Formen, die als rätselhafte Gebilde in der Moskauer Braunkohle lagen. War es wirklich dasselbe, so waren auch unsere problematischen Gebilde Kaolinkristalle. Sie wurden daraufhin untersucht. Das Ergebnis war eine Bestätigung. Über das Aussehen unserer Kaolinkristalle ist bereits eingangs berichtet. Hinzugefügt sei noch folgendes: Einzelne Kristalle wurden isoliert. Durch Flüssigkeiten wurde ihr Brechungsindex festgestellt. Derselbe lag zwischen 1,56 und 1,57. Er stimmte mit dem von Kaolin überein.