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Ein zusammenhängendes Röt-Muschelkalk-Profil nördlich Jena

Reichardt, Wolfgang

Kurzfassung

Die Steinbruchsanlagen der Zementfabrik Steudnitz (12 km nördlich Jena auf dem östlichen Saaleufer) haben das vollständigste zusammenhängende Triasprofil wohl ganz Thüringens freigelegt. In lückenloser Aufeinanderfolge ist von drei Abbausohlen des heutigen Hauptbruches aus die gesamte Schichtenfolge vom Vulgaris-Dolomit des Mittelröt bis über die Macrodon-Bänke des Oberen Wellenkalkes aufgeschlossen. Nach ca. 14 m Verwachsung des eintönigen Oberen Wellenkalkes ist im mittleren Bruch die gesamte Schaumkalkzone bis in den Mittleren Muschelkalk herein zu studieren. Über der Felder-Terrasse des Mittleren Muschelkalkes gewährt der oberste ,Riebitzbruch" mit seinem langen Fördereinschnitt einen bis auf 2 m vollständigen Einblick von der höheren Anhydrit-Gruppe bis herauf in die untersten Nodosenschichten. Das Profil wurde für die Vorexkursion A4 der Hauptversammlung der Deutschen Geologischen Gesellschaft im Sommer 1932 vom Verfasser unter Mithilfe von KL. BERGER-Jena aufgenommen. Es soll hier wegen seiner vergleichend-stratigraphischen Bedeutung unter besonderer Berücksichtigung der sedimentpetrographischen Eigenarten aufgeführt und kurz nach verschiedenen Gesichtspunkten diskutiert werden. Profil: ... 1. Vergleichend-stratigraphische Diskussion: Besonders wertvoll ist das Profil dadurch, daß die sonst selten beobachtbare Grenze Mittel- gegen Oberröt sowie die Liegend- und Hangendgrenze des Wellenkalkes und des Trochitenkalkes aufgeschlossen ist, damit also exakte Mächtigkeitsangaben gewährleistet sind. Die Myophorienschichten, die nach E. NAUMANN 1928, S. 19 (vgl. dazu auch K. MÄGDEFRAU in J. PIA 1930, S. 108/9 und 134, dagegen H. SEIFERT 1928, S. 901/2) vom untersten Wellenkalk in das Oberröt herunterzulegen sind, beginnen hier wie am Dornburger Schloßfelsen (vgl. R. WAGNER 1897, S. 9 und Tafel I, 2) mit zwei Glaukonitbänken, die sich petrographisch wieder deutlich voneinander unterscheiden. Die obere konglomeratische Bank war von R. WAGNER und E. NAUMANN (1928, S. 18/19) als Grenze von so2 gegen so3 aufgestellt. Grundsätzlich betrachtet, ist diese Grenzbank aber nur das Aufarbeitungsprodukt der unteren, auf Bl. Camburg, Jena (MÄGDEFRAU 1929, S. 13) und Kahla (SCHRÖDER 1929, S. 18) noch vorhandenen unteren Glaukonitbank mit ihrem primären gleichkörnigen Mineralbestand. ...