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Diluvial- und Alluvialfragen des rheinisch-westfälischen Industriegebietes und ihre allgemeine Bedeutung

Löscher, W.

Kurzfassung

Im folgenden möchte ich zu einer Reihe von Diluvialfragen Stellung nehmen, die noch umstritten sind oder der Klärung bedürfen. Daß gerade vom rheinisch-westfälischen Industriegebiet aus Fragen allgemein diluvialgeologischer Bedeutung der Lösung näher gebracht werden konnten, ist dem Umstande zu danken, daß das Gebiet im Verzahnungsgebiet des nordischen und Inlanddiluviums liegt, und daß gerade hier in den letzten Jahrzehnten durch Kanalbauten, Straßenbauten usw. wertvollste, zahlreiche Aufschlüsse geschaffen wurden. Ich weise auch darauf hin, daß eine Reihe von Mitgliedern der 'Essener Geologischen Gesellschaft sich eingehend mit den aufgeworfenen Diluvialproblemen beschäftigten und sich dabei vielfach der Unterstützung von Herren der Preußischen Geologischen Landesanstalt, die in dem erwähnten Gebiet tätig waren, erfreuen durften. Die Strahlungskurve von MILANKOVITCH, das Ergebnis exakter Messungen und Berechnungen, findet bei Diluvialgeologen Zustimmung und Ablehnung. Der weitgehende Parallelismus zwischen Strahlungskurve und Diluvialerscheinungen hat mich zu einem Anhänger der Strahlungskurve gemacht. War schon der Parallelismus zwischen der Klimakurve von PENCK und der Strahlungskurve auffällig, so bedeutet der noch weitergehende Parallelismus in der 2-Gliederung der alpinen Eiszeiten (wie ihn jüngst auch KNAUER dargetan), und der großen Schwankungen der Strahlungskurve eine wertvolle Stütze für letztere. Ich möchte nun besonders darauf hinweisen, daß dieser Parallelismus sich noch weiter ausprägt in der Zweigliederung der nordwestdeutschen Flußterrassen und auch der Lösse. Die Zweigliederung der Nieder-, Mittel- und Hauptterrassengruppen wird wohl bei den nordwestdeutschen Flüssen nicht mehr bestritten; bezüglich der Zweigliederung der Lösse weise ich auf die Arbeit von SOERGEL ,Das geologische Alter des Homo heidelbergensis" hin. Die Diluvialgeologie, die es dankbar begrüßen muß, von einer exakten Disziplin Anhaltspunk eine absolute Zeitmessung zu erhalten, wird zu prüfen haben, wie weit sich ihre Ergebnisse mit denen anderer Disziplinen vereinbaren lassen. Sie mag den Ergebnissen des sog. ,astronomischen Weges" mit zunehmenden, rückwärtigen Zeitspannen skeptisch gegenüberstehen und die Frage stellen, wieweit hierbei die Grundlagen gesichert sind. Es mag hier nur betont werden, daß die Strahlungskurve bei den verschiedenen Arbeiten und Erörterungen über das Diluvium des rheinisch-westfälischen Industriegebietes uns in günstiger und kritischer Weise das Blickfeld geschärft hat. ...