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Was lehrt uns das Pliozän von Agrigento über mesozoische Sedimente?

Deecke, W.

Kurzfassung

Bei einer Frühlingsfahrt 1931 nach und durch Sizilien hielt ich mich einige Tage in Girgenti, heute Agrigento genannt, auf. Es bot sich dort Gelegenheit, in trefflichen neuen Aufschlüssen die jungtertiären Sedimente etwas zu studieren und einen Vergleich mit viel älteren, faziell ähnlichen mesozoischen Gesteinen Mitteleuropas vorzunehmen. Darüber möge kurz berichtet werden. Der geologische Bau der Gegend von Agrigento ist einfach und klar. Nördlich der Stadt, schon dicht bei der Eisenbahnstation am Fuße des Stadthügels, zeigen sich die Gips führenden Lagen des Obermiozäns mit ihren Schwefelgruben (Solfare), von denen nur wenige heute noch den Betrieb lohnen. Auf dem schwefelhaltigen Komplexe ruht eine bis 150 m dicke Lage eines weißen Foraminiferen-Mergels, der den Wiedereinbruch des Meeres und zugleich den Beginn des Pliozäns im gesamten südlichen Sizilien bezeichnet. In diesen weichen Massen verläuft das Tal des Sollano nördlich von dem Bergkamm Girgentis. Sie schmiegen sich nach BALDACCI stets eng an die Aufpressungen und Falten der liegenden Gipsformation an, so daß daraus auf eine dem Mittelpliozän vorangehende tektonische Phase geschlossen wird. Obwohl diese Schichten eine im ganzen steile Neigung 40-50º haben sollen, treten sie weiter südlich am Meeresufer bei Porto Empedocle wieder hervor, so daß sie beiderseits das mittlere und obere Pliozän des Girgentiner Stadtgebietes einfassen. Es legt dies alleine schon die Existenz einer breiten flachen Falte mit W-Olichem Streichen nahe. - Das übrige Pliozän besteht unten aus einer Lage blauer, nicht sehr fossilreicher Tone und oben aus einem gelbbraunen, tuffartigen, muschelreichen Strandkalk, der leicht mit einem gerade so aussehenden jüngeren, d. h. quartären Gebilde verwechselt werden kann. Die blauen Tone und der feste Muschelkalkstein bilden den langen, W-O streichenden Kamm, auf dem die heutige Stadt und die Rupe Atenea liegen. Der Grat zieht sich von Siculiana bis zur Naro-Mündung, so daß die Hügel je jenseits der Fiume Drago und Fiume Beiice zu dem System gehören und nur durch diese beiden tief eingeschnittenen Bäche davon abgegliedert sind. Darauf beruht die für die griechischen und römischen Zeiten außerordentlich feste Lage der alten Stadt, welche auch von Karthagern und Römern nur durch Verrat und Mutlosigkeit der Bewohner nach monatelanger Belagerung erobert wurde. ...