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Über Wüsten und Urwüsten nebst Bemerkungen über Aktualismus

Stromer, E.

Kurzfassung

JOH. WALTHER hat u. a. das große Verdienst, als erster und dann immer wieder auf das Studium der jetzigen Wüstenerscheinungen und deren Bedeutung für die richtige Erkenntnis mancher Ablagerungen der Vorzeit hingewiesen zu haben (1924). Seine geistreichen und höchst anregend geschriebenen Veröffentlichungen haben aber die Gefahr mit sich gebracht, über manche unrichtige Beobachtungen und Deutungen hinwegzutäuschen. Gewisse von WALTHER verbreitete Irrtümer scheinen deshalb gar nicht auszurotten zu sein. Obwohl ich mich schon vor Jahren bemüht habe, mehrere davon zu beseitigen (1914), muß ich einiges wiederholen, weil es an schwer zugänglichen Stellen erschienen und darum ziemlich unbeachtet geblieben ist. So werden immer wieder die Lungenfische, besonders der rezente, australische Epiceratodus als typische Wüstenbewohner angeführt, z. B. in den sonst so wertvollen Studien von E. KRAUS über das baltische Devon (1930, S. 117). Es ist aber keine Rede davon, daß dieser Dipnoer ,ein echtes Wüstentier" mit Hornzähnen und ein Pflanzenfresser ist, wie WALTHER auch in seiner neuesten Auflage des Gesetzes der Wüstenbildung (1924, S. 345) wiederholt. Denn R. SEMON hat schon vor Jahrzehnten bewiesen (18%, S. 96-104), daß Epiceratodus nur noch in zwei nie eintrocknenden Flüssen von Queensland lebt, in einem Gebiet, das mit Eucalyptus und Inselchen tropischen Urwaldes bestanden ist, daß er weder das Wasser verlassen, noch Austrocknen vertragen kann und daß er mit seinen, aus regelmäßigem Trabekulardentin bestehenden Zahnplatten wesentlich an Wasserpflanzen lebende Tiere zerquetscht. Ich habe (1910, S. 622, Anm.) dann noch darauf hingewiesen, daß im Wohngebiete dieses Fisches etwa 1000 mm Regen im Jahre bei 20º mittlerer Jahrestemperatur fallen. Daraus geht klar hervor, daß es sich zwar um ein keineswegs feuchtes, aber auch nicht um ein arides oder gar um ein Wüstengebiet handelt. Auch bezüglich der anderen Dipnoi, der Lepidosirenidae, die im Gegensatze zu Epiceratodus ein völliges Eintrocknen vertragen können und die furchtbar bewehrte Raubfische sind, habe ich betont (1910, S. 620 und 1914, S. 8, Anm. 2), daß sie keineswegs Wüstenbewohner sind. ...