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Zur Verbreitung des Asselkrebses Archaeoniscus brodiei M. EDW. im Serpulit des Teutoburger Waldes

HAACK, WILHELM

Kurzfassung

Fossile Isopoden sind in Deutschland wohl nur in Einzelfunden bekannt geworden. Eine Art jedoch, der Archaeoniscus brodiei M. EDW., macht davon eine Ausnahme. Denn im Serpulit bei Hagen im westlichen Osning kommt dieser Krebs nicht allzu selten vor. Dies ist um so bedeutungsvoller, als er im Süden Englands in den etwa gleichaltrigen, in zum Teil ähnlicher Fazies ausgebildeten Schichten des Unteren und Mittleren Purbecks auftritt, ja sogar, besonders im Vale of Vardour, in großer Menge dicht gedrängt die Schichtflächen des dortigen ,isopode limestone" bedeckt (H. B. WOODWARD 1895). Die Fazies im westlichen Osning ist eine brackisch-salinare, eigentlich marine Schichten fehlen. Wenn in der Literatur Austern und andere marine Mollusken angeführt werden, so handelt es sich um Verwechslungen mit dem petrographisch manchmal sehr ähnlich ausgebildeten Kalk der Gigas-Schichten des tieferen Portlands. Die Kalkplatten mit Serpula coacervata BLUMENB. sind hier im Osning nur mehr oder minder mächtige Einlagerungen in einer hauptsächlich aus grauen oder dunklen Mergeln bestehenden Schichtenfolge. Sehr bezeichnend sind Stromatolithe, die auch sonst im nordwestdeutschen Serpulit eine Rolle spielen (HAACK 1909 b) und bemerkenswerterweise im englischen Purbeck wiederkehren. Weiter sind bezeichnend dünne, im Querschnitt linsenartige Kalksandsteinplättchen mit oft ausgezeichnet ausgebildeten Steinsalzpseudomorphosen. In Tiefbohrungen wird auch Gips angetroffen. Wenn nun in England zwischen marinen oder brackischen Schichten Süßwasserablagerungen auftreten, so fehlt es nicht ganz an Hinweisen, daß sie auch im Osning vorkommen, denn bei Hagen fanden sich an mehreren Stellen Süßwasserschnecken (HAACK 1909 a). Leider fehlen dort gute Profile, sodaß eine scharfe Trennung von den Münder Mergeln im Liegenden, in die der Serpulit anscheinend allmählich übergeht, bisher nicht möglich war. Die in der Gegend des Deisters für die Münder Mergel so bezeichnende rote Farbe tritt hier nur ganz untergeordnet auf. Zur Hauptsache scheinen sie sich nur durch große Fossilarmut vom Serpulit zu unterscheiden. Sie sind anscheinend unter noch stärker salinaren Bedingungen entstanden. Meine ersten Funde des an den silurischen Trilobiten Asaphus erinnernden, obengenannten Krebses machte ich 1906 am Mittelberg bei Hagen in grauen Mergelschiefern, welche dort die Hauptmasse der von neokomem Osningsandstein gekrönten Erhebung ausmachen (W. HAACK 1909 a). ...