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Kommt im Golo-bardo-Gebirge (W-Bulgarien) Santon und Campan vor?

RIEDEL, LEONHARD

Kurzfassung

In seiner Arbeit über die Ostabhänge des Golo-bardo-Gebirges zwischen Permik und Radomir (westl. Sofia) hat A. STEPHANOFF (1931) die Oberkreide bearbeitet, die in mediterraner Fazies diskordant auf der Trias liegt. Die Fauna der Kreide wird beschrieben und abgebildet. Als Alter der Kreide gibt STEPHANOFF außer Cenoman, Turon und Emscher auch noch Santon und Campan an. Die vorliegende Mitteilung richtet sich gegen das Vorkommen von Santon (mit Ausnahme des unteren) und Campan. Auf Santon schließt STEPHANOFF (1931, S. 34/35) aus dem Auftreten von: Sonneratia savini DE GROSS. (Taf. 8, Fig. 1); Pachydiscus sp. indet.; Inoceramus undulato-plicatus var. digitatus Sow. (Taf. 4, Fig. 1); Inoceramus lamarcki var. cuvieri Sow. (Taf. 3, Fig. 2); Inoceramus cycloides WEGN. (Taf. 2, Fig. 2); auf Campan aus dem Auftreten von: Inoceramus regularis D'ORB. (Taf. 2, Fig. 1); Inoceramus balticus BÖHM (Taf. 5, Fig. 1); Inoceramus lingua GOLDF. (Taf. 5, Fig. 2); Inoceramus undulatoplicatus RÖM. (Taf. 2, Fig. 3); Inoceramus cf. salisburgensis FUGG. & KAST. (Taf. 3, Fig. 1); Inoceramus sp. ind. Inoceramus undulato-plicatus var. digitatus Sow. (= In. undulatoplicatus F. RÖM. var. michaeli HEINZ [HEINZ, 1928, S. 76]) und In. undulato-plicatus F. RÖM. sind beide in NW-Europa nur aus der unteren Partie des oberen Emscher (= Mittel-Emscher) bekannt, wie aus den Arbeiten von CL. SCHLÜTER (1876/77, S. 270 u. 267), A. WOLLEMANN (1902, S. 70 = In. digitatus Sow.), R. HEINZ (1928, S. 76), F. HEINE (1929, S. 88) und L. RIEDEL (1931, S. 648) hervorgeht. HEINZ (1928, Taf. 3) scheidet sogar in seinem Inoceramenprofil von Lüneburg, das + weltweite Verbreitung haben soll, eine besondere Zone des In. undulato-plicatus var. michaeli im unteren Oberemscher aus. Verf. wies erst kürzlich nach (die Arbeit erscheint in der Zeitschrift Glückauf, Essen, Anfang 1933), daß sich der deutsche Emscher, entgegen der allgemein herrschenden Meinung, nicht mit dem Santon deckt, sondern daß die untersten Schichten des Santon, die ,Zone" des Mortoniceras texanum, in Deutschland den Schichten mit Inoceramus undulato-plicatus (also dem Mittel-, bzw. unt. Ober-Emscher) entspricht. Schon deshalb ist es unwahrscheinlich, daß die beiden besprochenen Inoceramen in Bulgarien im höheren Santon bzw. Campan auftreten. Man muß allerdings damit rechnen, daß das Auftreten eines Fossils in verschiedenen Horizonten, besonders in weit auseinander liegenden Gebieten, durchaus möglich ist. ...