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Felsengebirge und Großes Becken, U. S. A.

BECKER, HANS

Kurzfassung

Beobachtungen auf meiner Studienreise durch die Vereinigten Staaten gestatten eine vertiefte Auffassung der Beziehungen von Felsengebirge und Großem Becken. Die Willard-Überschiebung in der Wasatchkette hatte bisher als westliche Randstörung des Felsengebirges gegolten. Im Ogden-Canyon (nördlich Salt Lake City, Utah) konnte ich aber nachweisen, daß die Schubrichtung dieser Störung ostwärts gerichtet ist. Daraus ergibt sich, daß sie aus dem Gebiet des im Jungtertiär eingebrochenen Großen Beckens stammt. Die Wasatchkette bezeichnet somit keineswegs den Westrand des an der Wende Kreide/Tertiär gefalteten Felsengebirges, sondern man muß mindestens einen Teil des in den ,Basin Ranges" beobachteten vorneogenen Gebirgsbaus dem Felsengebirgs-System zurechnen. Eine Stütze findet diese Ansicht in den Überschiebungen, die ebenfalls in östlicher Richtung aus dem Großen Becken gegen das Tafelland des Coloradoplateaus gerichtet sind. Das Felsengebirge mit Einschluß der nordwestlichen Randketten am Coloradoplateau stellt also nur den östlichen Stamm der spätmesozoischen Cordilleren Nordamerikas dar. Im Großen Becken ist dieser alte, durch Faltung und Überschiebung ausgezeichnete Bauplan verdeckt durch junge Brüche, die zwischen der Randverwerfung der Wasatchkette im Osten und dem Abbruch der Sierra Nevada im Westen eine Reihe von Horsten und Kippschollen herausgeschnitten haben - die bekannte ,Basin range structure". Es sind dies Zugrisse, die mit etwa nord-südlichem Streichen schräg die allgemeine Gebirgsrichtung queren. Ich möchte ihre Entstehung in Verbindung bringen mit dem nordwärts gerichteten Vorbeitreiben der Erdscholle im Westen des nordamerikanischen Kontinents, der auch noch ein Stück des kalifornischen Festlands angehört. Man hat diese Verschiebung durch Fein-Nivellements an der durch das Erdbeben von San Franzisko bekannten Andreas-Störung nachgewiesen. Die westlichen Vereinigten Staaten stehen infolge dieser Trift unter starker Zugspannung, als deren Folge die Zerrspalten der Basin Ranges entstanden.