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Vulkanismus und Isostasie

MAIER, WILHELM

Kurzfassung

1. Zur Erklärung gewisser krustaler und vulkanischer Erscheinungen auf unserer Erde, bedarf es der Annahme einer subkrustalen, liquiden Magmenzone. Dieselbe ist mutmaßlich von einem Gerüst aus Carbiden, Ferriden, Sulfiden und Eisen bestehend durchsetzt und so imstande, den Ansprüchen der Righeit und der Fortpflanzung transversaler seismischer Wellen zu genügen. Das Gerüst stellt die äußersten, festgewordenen zentrifugalen Schlieren der Carbid-Ferrid und Eisenzone des Erdinnern dar. 2. Asien, Pazifik und Amerika verhalten sich wie drei nebeneinander liegende schwimmende Schollen. Wird die mittlere Scholle getaucht, dann bewegen sich die seitlichen über die mittlere hinweg aufeinander zu (Experiment). An der Überschiebungszone entstehen durch Belastung eingepreßte Gräben (Tiefseegräben), Schuppen werden vorgeschoben, in denen sich Randvulkane bilden, die bei periodischem Vorschub reihenförmig rückwärts wandern und erlöschen. Die Auffaltung der Umrandungsorogene des Pazifik mit allen Parallelzügen geschah gleichzeitig und steigerte sich allmählich. Der Wechsel der geförderten Gesteine, Andesit-Basalt, erklärt sich durch Einschmelzung der durch Isostasie und Tektonik bedingten subkrustalen Falten und Mischung mit Tiefenbasalt. Mit zeitlichem Nachlauf hebt sich der Mittelteil der Tauchscholle infolge Durchbiegung, und die Randgräben füllen sich mit Sedimenten auf. Dem entspricht der Atlantik mit seiner Schwelle. 3. Das gleichzeitige Bestehen der benachbarten Lavafeuerseen des Mauna Loa und Kilauea auf Hawai, trotz 3000 m Höhendifferenz, hat seinen Grund in dem Aufsitzen des Mauna Loa auf einer sinkenden Scholle. Jeder Preßvulkan hat entsprechend seiner Stempelfläche ein Einzugsgebiet, dessen Materialbeschaffenheit sich in den geförderten Magmen ausdrücken kann. 4. Verschiebungen des Vulkanismus zeigen sich in der Umrandung des Mittelmeeres von Süden nach Norden, offenbar bedingt durch das Nordwandern Afrikas infolge Polflucht. Das Tiefenmagma wird hierdurch nach Norden gepreßt. a) Sizilien. Wanderung des Vulkanismus vom Kap Passero (miozän) nach Lentini (pliozän), zum Ätna (quartär). Damit zusammenhängend ein Leichterwerden der geförderten Magmen, Abnahme des Olivingehaltes, Zunahme der Acidität. Strukturelle Übereinstimmung von Andesiten des Ätna mit solchen von Lipari. Dies spricht für eine einheitliche subkrustale Magmenzone und nicht für einzelne Herde. Als weitere Folge der Betrachtung Vulkan-Orogen ergibt sich die Unterscheidung eines longitudinalen andinen Vulkanismus, der sehr stark ist und bei dem die Vulkane im Orogen sitzen, gegenüber einem orthogonalen alpinen Vulkanismus, der schwach ist und bei dem die vulkanischen Ekzeme vom Orogen abgerückt sind. Der Grund hierzu liegt in der longitudinalen bzw. orthogonalen Richtung subkrustaler Magmenströmungen gegenüber dem Orogen. b) Gerona-Olot. Wanderung des Vulkanismus am Rand der Pyrenäen, abgeschwächt infolge Abdämmung des heranflutenden Magmas durch die katalanische Randkette. c) Französisches Zentralplateau. Der Aufbau des miozänen Cantal, des pliozänen Mont Dore, der quartären Vulkangruppe um den Puy de Dome hängt mit der Stauung südwärts andrängender Magmenmassen an den subkrustalen, varistischen O-W streichenden Falten des kristallinen Zentralplateaus zusammen. Durch Abschmelzen der subkrustalen Falten war periodisch ein weiteres Vordringen der nächsten Magmawelle möglich. Der Magmawechsel von sauren Typen (Domiten) zu Andesiten, Labradoriten, zum basischen Basalt erklärt sich durch Abschmelzung und Mischung. Im Analysendiagramm ist der Mischtypus nachzuweisen. Die Tephrite des Mont Dore sind hybride Gesteine eines (Eläeolith-)Phonolithmagmas mit Basalt und Titanitführung spricht dafür. 5. Die jungen quartären vulkanischen Ausbrüche in der Eifel und die Erosionsformen der weiter südlichen deutschen Eruptionszentren weisen auf eine Wanderung des Vulkanismus seit dem Miozän hin, bewirkt durch die Alpenfaltung. Ähnlich wie im französischen Zentralplateau stauten sich die Magmawellen an den Rumpfgebirgen des Schwarzwaldes und des rheinischen Schiefergebirges, weshalb die Vulkane ihrer Nachbarschaft auffälligen Magmawechsel zeigen, entstanden durch Einschmelzung der subkrustalen Falten und Mischung mit dem Tiefenbasalt. Daraus erklärt sich die Möglichkeit von Magmenfolgen mit und ohne Übergänge. (Kaiserstuhl-Katzenbuckel bzw. Hegau.) ...