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Zur Tektonischen Stellung des Saargebietes

CLOOS, HANS

Kurzfassung

Saargebiet ist Kohlengebiet. Und nun wird dem Geologen die Frage gestellt: Wie kommt das? Wie erklärt sich diese plötzliche Anhäufung eines von so vielen Stoffen der Erde hier und nur hier? Man stellt damit die Prinzipienfrage jeder Lagerstätte. Nur daß sie meistens leichter oder doch direkter zu beantworten ist. Sind doch z. B. die Mehrzahl unserer Erzlager unmittelbar aus der Umgebung oder aus dem Untergrunde konzentriert. So daß Zufuhr und Konzentration eins ist und nur ein Vorgang verstanden werden muß. Anders hier. Damit Kohle entsteht und ein Kohlenlager auf uns kommt, genügt nicht ein pflanzenfreundliches Klima. Es bedarf darüber hinaus einer Summe von Vorgängen, welche zahlreichen Pflanzengenerationen am gleichen Orte nach- und übereinander zu wachsen gestatten und welche das Wachstumsprodukt eindecken und das eingedeckte bis zum heutigen Tage vor einer Wiederzerstörung bewahren. Kurz, es bedarf einer sehr gründlichen und einer sehr nachhaltigen Bodensenkung. In der Tat ist es eine sehr beträchtliche Senkung, welche sich in einer örtlichen Mächtigkeit von an 6000 m karbonischer und permischer Schichten an dieser Stelle verrät. Unsere Aufgabe lautet also, solche Vorgänge nachzuweisen und in verständliche Beziehung zu der Entwicklung des Gesamtgebietes zu setzen. Da es sich um Bewegungsvorgänge handelt, haben wir es mit mechanischen Überlegungen zu tun und müssen uns des Handwerkzeuges derjenigen Wissenschaft bedienen, die sich mit der Mechanik der Erdkruste beschäftigt. Dieser Zweig der Geologie, die Tektonik, steht, so wichtig sie also für die praktischen Fragen auch ist, noch in einem sehr jugendlichen Entwicklungsstadium. Unsere Ergebnisse haben somit nur einen vorläufigen Charakter. Welche Bewegungsvorgänge der Erdkruste sind geeignet, umschriebene Bezirke der Oberfläche im Verhältnis zu ihrer Umgebung zu senken? 1. Man kann an Faltung denken. Aber die Mulden, welche diese hervorbringt, sind in der Kegel zu eng und werden überdies zumeist mit dern Gesamtgebirge eher empor- als hinabgetragen: Für Kohlenlager ist im Innern von Faltengebirgen selten Platz. Anders an ihren Rändern. Mit der Faltung hört hier auch die Hebung auf. ...