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Die wirtschaftsgeologische Lage des Saargebiets

HAARMANN, ERICH

Kurzfassung

I. Einleitung: ,Le Territoire de la Sarre est une curiosité du droit international" (PRIOU) - es befindet sich aber auch in einer einzig merkwürdigen wirtschaftsgeologischen Lage: in dem Land, dessen Eigentümer Preußen und Bayern sind, das aber treuhänderisch regiert wird, ist der französische Staat unbeschränkter Eigentümer der Kohlenvorkommen und -gruben. Die Kohlen müssen außer im Saargebiet in andern Ländern, besonders in Frankreich und Deutschland abgesetzt werden. Die großen saarländischen Eisenhütten sind darauf angewiesen, ihre Erze von Frankreich zu beziehen. Dieses Saargebiet, dessen Sprache und Bevölkerung deutsch, dessen Währung französisch ist, gehört zollpolitisch zu Frankreich, genießt aber auch Zollerleichterungen gegenüber Deutschland, seine Gesetze sind nur zum kleinen Teil den inzwischen in Deutschland erlassenen angepaßt worden. Danach versteht man leicht, daß man eine große, fast unübersehbare Fülle von Faktoren betrachten muß, wenn man das Saargebiet wirtschaftsgeologisch beurteilen will, und es ist kaum möglich, sie alle richtig in Rechnung zu setzen. Noch mehr als sonst bei wirtschaftageologischen Betrachtungen muß man die Dinge in ihrem natürlichen Zusammenhang lassen und sie in ihrer Verflechtung mit Technik, Wirtschaft und Politik betrachten, will man sich nicht von vornherein die Möglichkeit verschütten, ein möglichst zutreffendes wirtschaftsgeologisches Bild zu bekommen. Ganz besonders sind die Kohlenvorkommen eng mit der saarländischen Eisenindustrie verknüpft, und so muß man hier über die Grenze rein wirtschaftsgeologischer Betrachtung hinausgreifen. Dagegen werde ich die zwar keineswegs unbedeutende Glas- und keramische Industrie deswegen in dieser kurzen Übersicht vernachlässigen, weil bei ihnen die Verhältnissei nicht so verwickelt sind, wie bei der Kohlen- und Eisenindustrie. II. Die Kohle 1. Die Verwertbarkeit der Kohle, bestimmt durch a) Vorkommend: Das Saarkohlenbecken ist ein breiter, von Südwesten nach Nordosten streichender Streifen des Steinkohlengebirges. Er liegt zwischen den Vogesen im Süden und dem Rheinischen Schiefergebirge und den Ardennen im Norden und geht 50 km streichend und 15 km breit zutage. Untertage ist es streichend 130 km und querschlägig 50 km nachgewiesen. ...