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Zur Paläontologie und Stratigraphie des Saarbeckens

GOTHAN, WALTHER

Kurzfassung

1. Charakter der Karbonflora des Saarrevier: Die Karbonflora des Saarreviers zeigt im ganzen genommen ein ähnliches Bild wie die Pflanzenwelt, die die Kohle anderer deutscher und mitteleuropäischer Steinkohlenvorkommen gebildet hat. Sie setzt sich aus denselben Pflanzengruppen, Familien und im ganzen auch aus denselben Gattungen und Arten zusammen, die wir in der arktokarbonischen Karbonflora überhaupt verbreitet finden. Demgemäß besteht sie aus den Gruppen der verschiedenen Pteridophyten oder Gefäßkryptogamen, also Farnen, Schachtelhalmen bzw. Calamiten, Sphenophyllen, Lycopodialen, also insbesondere aus den baumförmigen Lepidodendren, Sigillarien und einigen Sondergattungen, neben denen auch krautige Formen nicht fehlen, die zur Gruppe der Selaginellen gehören. Außerdem sind aber eine ganze Reihe von Gymnospermen vertreten, und zwar zunächst die Mannigfaltigkeit und große Fülle der Pteridospermen, die durch ihr farnartiges Aussehen früher ausnahmslos als Farne angesehen wurden, und die Cordaitales, jene als Gymnospermen fremdartigen Bäume mit langen bandförmigen Blättern und eigentümlichen Blütenständen. Die Zusammensetzung der Saarflora genauer nach Arten zu schildern, würde im Rahmen dieses Vortrags zwecklos und ermüdend sein; eine einigermaßen vollständige Aufzählung der Arten der Saarflora ist aber heute überhaupt nicht möglich, weil sich darunter eine wahre Unmenge von neuen Arten und Formen befindet, die noch unbearbeitet sind und in den Magazinen der Museen und Institute schlummern. Jeder, der sich einen weiteren Überblick über die Zusammensetzung der Karbonfloren im einzelnen durch längere Studien gemacht hat, steht staunend vor der Fülle der Erscheinungen, die insbesondere die Formen der farnlaubigen Pflanzen der Saarflora bieten. Ein wenn auch etwas übertriebenes Bild der Zahl der neuen Arten der Saarsteinkohlenflora bieten die bereits genannten Veröffentlichungen der französischen Paläontologen BERTRAND und CORSIN, die eine etwas beängstigende Zahl neuer Arten selbst in den wenigen Gruppen, die sie bisher bearbeitet haben, aufgestellt haben. Ich glaube nicht, daß sich alle diese Arten, die dort als neu beschrieben sind, aufrecht erhalten lassen, und glaube, daß die meisten meiner Fachkollegen, obwohl ja bei jeder neuen Art etwas Subjektives dabei ist, derselben Meinung sein werden. Durch diese neuen Arten sind mehrfach sehr gewöhnliche allverbreitete Formen der Karbonflora für das Saarrevier gewissermaßen von der Bildfläche verschwunden, indem z. B. eine der ,Butterblumen" der Steinkohlenflora Neuropteris gigantea in mehrere Arten aufgelöst worden ist, und dasselbe kann man von Neuropteris ovata sagen, die ebenfalls in mehrere sogenannte Arten aufgeteilt worden ist und deswegen scheinbar ebenfalls aus dieser Steinkohlenflora verschwunden ist, obwohl beide Arten in Wirklichkeit wenigstens in gewissen Schichten gemein sind.