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Zur Quartärgeologie von Holstein

WOLFF, WILHELM

Kurzfassung

Die Provinz Schleswig-Holstein ist seit jeher ein bevorzugtes Gebiet in der Quartärforschung und -darstellung gewesen, weil sie im Raum zwischen den beiden Meeren Ost- und Nordsee alle wichtigen Erscheinungen des jungen und des alten Glazialdiluviums sowie des Alluviums zur Schau trägt. Es ist deshalb von besonderem Reiz, von Zeit zu Zeit am Erforschungszustand dieses Gebietes neuere Entwicklungen der Quartärgeologie zu veranschaulichen. 1. Landschaftsgliederung: Der Osten Schleswig-Holsteins gehört zum Bereich der jüngsten diluvialen Vereisung Norddeutschlands, deren Grenze hier ungefähr der Grenze der Seenzone entspricht. Die Grenze der jungglazialen Moränenbildungen verläuft über Bokelholm, Nortorf, Einfeld, Bönebüttel, Bornhöved, Tensfeld, Hamdorf, Wahlstedt, Wittenborn, Todesfelde, Sülfeld, Bargfeld, Kleinhansdorf, Hoisbüttel, Volksdorf, Meiendorf, Papendorf, Kuddewörde. Talkau, Roseburg, Valluhn nach Zarrentin und weiter in das Mecklenburgische. Vor dieser eigentlichen Grund- und Endmoränengrenze liegen noch weithin jungglaziale Sander und Talsande ausgebreitet. Zwischen Rendsburg und Nortorf nehmen sie geringen Raum ein; dann folgt im Zusammenhang mit dem bis Einfeld durchgehenden Tunneltal der Kieler Förde der gewaltige Neumünstersche Sander, der in die Talsande, an der unteren Stör übergeht. Ihm schließt sich der große Sander von Bornhöved und Wahlstedt mit den Talsanden der Osterau, und der Wittenborn-Todesfelder Sander mit dem Talgebiet der Schmalfelder Au an, die sich untereinander bei Bramstedt und alsdann mit dem Talsandgebiet der Stör bei Wrist vereinigen. Kleiner ist der Sander von Kayhude im oberen Alstergebiet, gering auch der Sander von Witzhave an der Südseite des Ahrensburg-Trittauer Eislobus. Erst weiter im Osten, vom Stecknitztal bis zum Schaletal entwickelt sich wieder ein mächtiger, zur Elbe gehender Sander, zu dem die Listäler und -Tunnel des Seengebietes von Ratzeburg, Mölln und Zarrentin (Schaalsee) lange Zeit auch noch während des Eisrückzugs die Schmelzwässer hinübergeführt haben. Die Grenze der unmittelbaren jungglazialen Eisablagerungen stimmt recht genau mit der von K. GRIPP beschriebenen ,morphologischen Grenze" überein. Aber wenn man auch alle morphologischen und genetischen Vorstellungen der Gegenwart zu Hilfe nimmt, so ist es doch schwer, die Grenze des jungglazialen Eises im Gelände überall genau festzulegen; sie ist keineswegs immer scharf ausgeprägt. ...