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Diluvialer Frostboden in Oberbaden

GELLERT, JOHANNES F.

Kurzfassung

Gelegentlich morphologischer Studien im Schwarzwald und an dessen Ostabdachumr über deren Ergebnisse an anderer Stelle berichtet wurde, fand der Verfasser in einem Steinbruch auf der Höhe östlich Villingen diluviale Frostböden (Strukturböden) im Profil angeschnitten. Da es die ersten derartigen Funde aus diesem Gebiete sind, soll über sie hier kurz berichtet werden. In zwei Kehren erklimmt die Straße von Villingen nach Schwenningen nördlich des Aussichtsturmes die Strukturstufe des oberen Muschelkalkes. In rund 775 m liegen hier zu beiden Seiten der Straße Steinbruche, in denen der plattige Nodosenkalk (mo2) flach abgebaut wird. Die Lagerung des Kalkes ist flach nach Ost geneigt, im Einzelnen durch Verkarstung (Auslaugung und Nachrutschen) nur wenig gestört. Über diesen Schichten in natürlicher Lage folgt eine verschieden (bis über 1 m) machtige Zone gröberen plattigen Blockwerkes mit Feinerdeausfullung. Darüber lagert etwa 25 cm mächtig ein brauner, krümeliger Boden mit sehr wenigen kleinen Kalkbrocken. In einer Ecke des Steinbruches südlich der Straße zeigte nun Ende September 1930 die Zone des Blockwerkes eine geregelte Struktur. Die Ost-West-Wand (Tafel 37, Bild 1) zeigt eine Aufrichtung der Muschelkalkplatten zu topfartigen Gebilden, die mit kleinen Kalkbrocken und Erde ausgefüllt sind. Die ungestörte Lage der Kalkbänke darunter erlaubt nicht, diese Verlagerung auf dolinenartige Karsterscheinungen zurückzuführen. Über den steil aufgerichteten Kalkplatten liegen kfeinere Kalkblöcke unregelmäßig, meist flach. Hier ist die Bodenstrukur wieder zerstört. Der mächtige Boden darüber weist auf das fossile Alter der Entstehung der Bodenstruktur, wie deren oberflächlichen Zerstörung hin. An der Nord-Süd-Wand (Tafel 37, Bild 2) sind ebenfalls die beschriebenen Zonen zu erkennen. Jedoch sind hier die Kalkplatten weniger steil aufgerichtet, vielmehr sind hier die Bodenstrukturen, entsprechend der lokalen Gehängeneigung, auseinandergezogen worden wodurch mehr wannenförmige Querschnitte entstehen. Die beobachteten Bodenstrukturen fassen keinen Zweifel bestehen, daß es sich hier um einen periglazialen Strukturboden handelt, dessen fossiler Charakter sicher steht. Besonders deutlich weisen die in Richtung des Hanggefälles auseinandergezogenen Strukturen darauf hin, daß es sich um Bodenbewegungen handelt. Die besondere Bedeutung des Frostbodens von Villingen liegt in dem Hinweis auf den palaeogeographischen Charakter der Schwarzwaldumgebung wäh rend der Vereisung im Hochschwarzwald als eisfreies, aber nur vegetationsarmes Gebiet (Kältewüste oder Kältesteppe).