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Gab es im Unterdevon ein Rotes Südland?

Quiring, Heinrich

Kurzfassung

Die Herren FUCHS und STILLE haben die Frage berührt, weshalb das im S des Rheinischen Gebirges abgelagerte Unterdevon - abgesehen vom Gedinne des Taunus - trotz der Nähe der Südküste keine roten Sedimente enthalte. Die eigenartige Tatsache wird besonders deutlich, wenn man den Küstenverlauf der Hunsrück-Unterkoblenz-Zeit (vgl. die nachstehende Skizze) beachtet. Bekanntlich hatte (vgl. Jb. Pr. G. L.-A. f. 1932, S. 439) das Siegener Meer in der Herdorfer Zeit seine größte Ausdehnung. Es hat weithin auch das Rote Nordland überflutet und dessen rote Gesteine überdeckt. Es ist also ganz natürlich, daß dem auf den Raum südl. des Siegener Hauptsattels beschränkten Hunsrückmeer und Singhofener Meer keine roten Sedimente zugeführt wurden. Das nördlich anstoßende Land bestand bis nach Britannien hin vorwiegend aus nichtroten Siegener Gesteinen. Erst in der Oberstadtfelder Unterkoblenzzeit macht sich die Rot- und Grünfärbung der Sedimente wieder bemerkbar. Aber nur nördlich der Linie Wiltz-Neuerburg-Oberstadtfeld-Ahrweiler-Eitorf-Hilchenbach. Südlich davon bleiben die Sedimente dunkelgrau, hellgrau und weiß, trotzdem nach der Oberstadtfelder Transgression in der Nellenköpfchenzeit und Klerfer Zeit die Meeresbucht immer kleiner wird, die Küste über den ganzen Sedimentationsraum nach W wandert (Nellenköpfchen-Regression). Es ergibt sich hieraus, daß nur im N in der Unterkoblenzzeit rote Gesteine denudiert, erodiert und als Sediment der Meeresbucht zugeführt wurden. Im S und O können nur nichtrote Gesteine die Landoberfläche gebildet haben: vorwiegend Archaikum, Siegen, Hunsrückschiefer. Dann ist aber auch der Schluß berechtigt, daß alle primärroten Sedimente des rheinischen Unterdevons - auch die roten Gedinnegesteine des Taunus - vom Roten Nordland stammen. Ein Rotes Südland hat es in der Nähe der unterdevonischen Meeresbucht nicht gegeben.