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Studien in der Überschiebungszone von Achenkirch

QUENSTEDT, WERNER

Kurzfassung

Die Fragen des tektonischen Baus der Überschiebungszone von Achenkirch (nördl. vom Achensee, Nordtirol) erwachsen aus der Geschichte ihrer Erforschung, der schon LEOPOLD VON BUCH den Weg zu bereiten versuchte und die das verkleinerte Spiegelbild des Werdegangs der Alpengeologie darstellt. Um die erste Erkenntnis der Karwendelmulde haben sich KLINGLER, um die lokale Feststellung der Überschiebung am Fuß des Unnütz PICHLER verdient gemacht. Den Überschiebungsbau als einen der Grundzüge in der Tektonik des ganzen Gebiets erkannt zu haben, ist aber erst das bahnbrechende Ergebnis AMPFERER'S. Auf Grund der AMPFERER'schen Karte wäre der steilgestellte Südflügel der Karwendelmulde auf einer schwach südöstlich einfallenden Schubfläche quer durchgerissen (,abgeschrägt"), die im Westen am Gröbner Hals erstmals sichtbar zu werden scheint. Von der bisherigen, auf einen Zeitraum von zwei Jahren sich verteilenden Neuuntersuchung, die sich zunächst besonders auf die Kleintektonik erstreckte, bald aber auch auf die großtektonischen Verhältnisse ausgedehnt wurde, sind folgende Punkte besonders wichtig und müssen als bereits gesichert gelten: Die Überschiebung wird erstmals dicht nördlich der Moosenalmhütten (östl. Schreck-Zunderspitz-Kamm) feststellbar, wo Oberrhätkalk und Lias auf untere graue Aptychenschichten aufgeschoben sind. Das Rhät-Lias-Band des Muldensüdflügels-, das an der Moosenalm ungefähr seiger steht, dort gegen Norden an einem Erosionsrand scheinbar endet und von dem durch HANS V. WOLF Spuren einer nordöstlichen Fortsetzung im Bereich des Plicken-Jochberg-Zugs in Gestalt von rotem Liaskalk und von Plattenkalk südlich über der Feichtalm, von Plattenkalk an der Brünndlalm entdeckt wurden, läßt sich als unterbrochener Kranz von auseinander gerissenen Schubfetzen von Plattenkalk, fossilführenden Kössener Schichten, Oberrhätkalk, rotem Liaskalk und roten untersten Hornstein-Aptychenschichten von der Brünndlalm westlich zur Hochplatte hinauf und von dort nach Osten bis südöstlich der Feichtalm unter die Schubmasse des Hauptdolomits verfolgen. Desgleichen ziehen sich vereinzelte kleine Schubfetzen am Südhang des Unterautals unter der Schubfläche ein Stück weit nach Osten. ...