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Wünschelrute und Wassersuche

MICHELS, FRANZ

Kurzfassung

In den letzten Jahren hat die Wünschelrute wieder viel von sich hören lassen. Rutengänger wollten mittels Wünschelrute gesundheitsschädliche Erdstrahlen entdeckt haben. Als Mittel gegen diese schädlichen Strahlen empfehlen sie ,Abschirmapparate" oder ,Bettrücken". (Über die Unhaltbarkeit solcher Behauptungen findet sich Näheres im Sonderheft des ,Gesundheitslehrers": ,Im Banne der Strahlen und der Wünschelrute", Asklepios Verlag, Berlin-Wilmersdorf, Motzstr. 36.) Diese Erdstrahlen sollen von ,Reizstreifen" ausgehen. Nach Ansicht der meisten Rutengänger sind diese ,Reizstreifen" an unterirdische ,Wasseradern" gebunden. Infolge der Betätigung der Rutengänger beim Suchen von Reizstreifen wurde auch die Wünschelrute als Wasserfinder wieder häufig gepriesen. Wiederholt wurde behauptet, daß die Rutengänger auf Kräfte reagierten, die von unterirdischen Wasservorkommen herrühren sollen. In den Ausführungen der Herren H. REICH und A. EBERT über Elektrische Wassersuche (dieses Heft der Zeitschr. D. G. G.) ist schon gezeigt, wie vorsichtig man beim Auswerten solcher tatsächlich vorhandenen physikalischen Wirkungen sein muß. Gegenüber den genauen physikalischen Instrumenten ist aber die Wünschelrute nur ein ganz grober, zudem vom jeweiligen Träger abhängiger Indikator. Es sind gerade neuerdings Behauptungen aufgestellt, daß der Wünschelrutenausschlag an Stellen erfolge, wo über ,Wasseradern" Störungen des luftelektrischen Feldes vorhanden seien. (G. LEHMANN: ,Über die Ursachen der Häufung von Blitzeinschlägen an gewissen Stellen von Hochspannungsleitungen.") In den Ergänzungsheften für angewandte Geophysik (Bd. 3, H. 2, 1933) zeigt H. REICH aber, daß ein Zusammenhang zwischen Wünschelruten-,Wasseradern" (unterirdische Wasservorkommen, die stellenweise an Klüfte gebunden sind) und Änderungen des luftelektrischen Feldes in keiner Weise bewiesen sind. Die Sache wird weiterverfolgt. Die erhöhte Tätigkeit der Rutengänger belebte naturgemäß auch wieder die wissenschaftliche Untersuchung der Wünschelrutenfrage. So liegen aus dem letzten Jahre eine ganze Reihe exakter Prüfungen von Rutengängern vor. Im November 1932 prüfte im Rahmen des naturwissenschaftlichen Vereins Bremen eine wissenschaftliche Kommission unter Vorsitz von Prof. Dr. H. MAYER in Bremen einen Rutengänger, der an ,Wasseradern" gebundene ,Reizstreifen" feststellen zu können vorgab. ...