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Die künstliche Anreicherung des Grundwassers

[Artificial groundwater enrichment]

Denner, J.

Kurzfassung

Wenn man von der künstlichen Anreicherung des Grundwassers hört, so denkt man unwillkürlich an die hauptsächlichste Art ihrer Anwendung in der Wasserversorgung. Und das mit Recht. Gibt es doch kaum mehr ein modernes Wasserwerk, das nicht mit künstlich angereichertem Grundwasser arbeitete. Solche riesigen Wassermengen, wie sie heutzutage in den Großversorgungsgebieten verlangt werden, kann der natürliche Grundwasserschatz allein ohne künstliche Beihilfe nicht mehr liefern. Die technische Einrichtung und Anwendung der beiden Anreicherungsmethoden durch Uferfiltration und Infiltration durch besondere Sickeranlagen darf ich wohl in Ihrem Kreise als bekannt voraussetzen. Ich möchte heute die Frage der künstlichen Grundwasseranreicherung mehr von der wasserwirtschaftlichen Seite aus betrachten. Die Grundwasserentnahme durch Wasserwerke kann durch die künstliche Anreicherung zwar ganz erheblich gesteigert werden, aber auf Kosten der Oberflächengewässer, denn die Voraussetzung für die künstliche Anreicherung überhaupt ist das Vorhandensein von genügend Wasser in den Flüssen und Seen. Die auffälligste Erscheinung in der Wasserwirtschaft ist die Tatsache, daß in Trockenzeiten, wo gleichzeitig der größte Bedarf an Wasser vorhanden ist, die Flüsse am wenigsten Wasser führen, während zur Winterzeit und in Zeiten, wo in der Natur weniger Wasser gebraucht wird, Wasser genug vorhanden ist, und bei Hochwasser viel zu viel Wasser ungenutzt abfließt. Das Niedrigwasser der Flüsse in Trockenzeiten aufzuhöhen und den Ausgleich der Wasserführung zu fördern und zu erstreben, ist eine Hauptaufgabe der Wasserwirtschaft, Man hat zu diesem Zweck Talsperren gebaut, die neben Hochwasserschutz und Kraftgewinnung die Aufgabe haben, die überschüssigen Hochwässer als Zuschußwasser für Niedrigwasserzeiten zurückzuhalten. Eine weitere Möglichkeit, die Überschußwasser zurückzuhalten, ist die unterirdische Aufspeicherung in natürlichen Speicherschichten. Sie ist m. E. in der Wasserwirtschaft bisher zu wenig berücksichtigt worden. ...