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Die Wasserversorgung der Stadt Frankfurt a. M.

VIESOHN, GEORG

Kurzfassung

Die kurze zur Verfügung stehende Redezeit verbietet es mir natürlich, Ihnen die Wasserversorgung von Frankfurt a. M. eingehend mit allen Einzelheiten zu schildern. Ich muß mich darauf beschränken, Ihnen einen Überblick in ganz großen Zügen vorzutragen. Dabei will ich mich bemühen, diejenigen Punkte, die den Geologen besonders interessieren, nach Möglichkeit hervorzuheben und hoffe damit Ihren Wünschen entgegenzukommen. Dieser Gesichtspunkt veranlaßt mich, mein Thema als eine Art Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der Wasserversorgung von Groß-Frankfurt aufzufassen, etwa unter dem Motto ,Die Wasserversorgung von Frankfurt einst und jetzt". 1. Geschichtliche Entwicklung: Solange die Stadt Frankfurt befestigt und mit Wall und Graben umgeben war, erfolgte die Wasserversorgung in der Hauptsache durch gegrabene Brunnen, die in die allenthalben vorhandenen, aber keineswegs überall Wasser führenden dünnen diluvialen Sand- und Kiesschichten niedergebracht waren. Die einzige Wasserleitung, die von außerhalb der Stadt hereinkam, war die vom Friedberger Feld, die durch im Jahre 1607 dortselbst gefaßte Quellen gespeist wurde. Die älteste Zuleitung bestand aus Bleiuud Holzrohren, die im Jahre 1771 durch gußeiserne Rohre ersetzt wurden. Die Wasserleitung versorgte eine Anzahl öffentlicher Brunnen, war indessen in Privathäusern nicht eingeführt. Infolge des gesteigerten Wasserbedarfs und der Verschlechterung und der Verminderung des Brünnenwassers wurde im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts die Wasserversorgung recht mangelhaft. Der Senat beschloß im Jahre 1828, zur Abhilfe die Quellfassung im Friedberger Feld völlig zu erneuern und zu vergrößern, sowie im Knoblauchsfeld, das ist in der Gegend der heutigen Falkensteiner- und Hynspergstraße, neue Quellfassungen zu erbauen. Die Anlagen wurden in der Zeit von 1828 bis 1834 vom damaligen Inspektor Hoffmann, dem Vater des nachmaligen Arztes ,Struwwelpeter-Hoffmann" zur Ausführung gebracht. Da man hoffte, durch diese Bauten die Menge des verfügbaren Wassers auf 2000 m3/Tag erhöhen zu können, schuf man gleichzeitig auch ein 17 km langes Rohrnetz aus gußeisernen Rohren, das den unmittelbaren Anschluß von Privathäusern an die Wasserleitung ermöglichte. ...