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Über die Bestimmung der in sehr geringen Mengen vorhandenen Bestandteile der natürlichen Mineralwasser

FRESENIUS, L.

Kurzfassung

Die analytische Chemie spielt auch bei der Erforschung der Mineralwasser, wie so oft, die Rolle einer zwar unentbehrlichen, aber doch dienenden Magd. Der Geologe, ebenso wie der Mediziner oder Quellentechniker benutzt als Grundlage für seine Arbeiten die chemische Analyse des betr. Wassers und fordert vom Chemiker, daß diese Analysen so genau und so vollständig, wie es beim jeweiligen Stande der analytischen Methode nur möglich ist, durchgeführt werden. Der große" Reiz nun, den die Beschäftigung mit Mineralwässern ausübt, und die Bedeutung derselben haben dazu geführt, daß die analytischen Chemiker sich der ihnen zufallenden Aufgaben mit besonderem Eifer angenommen haben. Dementsprechend sind auch die Namen vieler großer Analytiker eng mit der Geschichte der Mineralwasseranalyse verknüpft. Infolge dieser vielseitigen Bemühungen besitzen wir spätestens seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, zum Teil schon viel länger, Methoden, die es gestatten, nicht nur alle Hauptbestandteile der Mineralwasser zu bestimmen, sondern auch solche Stoffe genau zu ermitteln, die wie Jod, Brom, Borsäure, Lithium usw. nur in verhältnismäßig sehr kleinen Mengen vorhanden sind. Auf Grund der nach diesen allmählich immer mehr verbesserten Methoden durchgeführten Analysen konnte im Jahre 1907 im Deutschen Bäderbuch ein recht erschöpfender Überblick über die Zusammensetzung der deutschen Mineralquellen gegeben werden. Die seitdem erreichten Fortschritte betreffen zunächst einmal die physikalisch-chemische Untersuchung der Mineralwasser und die Ermittlung der Radioaktivität. Erst neuerdings ist man dazu übergegangen, auch solche Stoffe zu bestimmen, die in noch wesentlich kleineren Mengen vorhanden sind. Was nun überhaupt beim Mineralwasser kleine Mengen sind, ist natürlich Sache der Definition. In Prozenten ausgedrückt machen ja selbst Bestandteile, wie etwa das Chlor-Ion im Wiesbadener Kochbrunnen nur einige Zehntel Prozent des Quellwassers aus. Andere, wie der Gehalt an Lithium-Ion, betragen nur 0,00003%. Immer liegt es also so, daß neben sehr viel Wasser und oft erheblichen Mengen anderer Salze kleine Mengen der gesuchten selteneren Bestandteile zu bestimmen sind.