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Intermittierende Quellen

PRINZ, E.

Kurzfassung

Zu den merkwürdigsten und vielfach wissenschaftlich kaum erforschten Quellerscheinungen gehören die intermittierenden Quellen, auch zeitweilige oder aussetzende Quellen genannt. Man findet sie fast ausschließlich in klüftigen Gebirgen, also in erster Linie in Karstgebieten. Über die Schüttungsunterbrechungen solcher Quellen findet man in der Literatur meist Angaben, aus denen man schließen könnte, daß sich solche in nahezu mathematisch gleichen Zeitabschnitten wiederholen. Das wäre eine irrige Ansicht, und sie kann vielleicht darauf zurückgeführt werden, daß man rohe Schätzungen als zuverlässig hinnimmt, in Ermangelung genauer Messungen. Es soll intermittierende Quellen geben, die in Minuten, Stunden, Monaten, sogar Jahren ihr Spiel regelmäßig wiederholen. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß das Fließen solcher Quellen abhängt vom Aufbau des Gebirges, also dem Verlauf und der Größe der unterirdischen Wasserwege, den Niederschlägen, der Temperatur und dem Luftdruck, auch vielleicht von Gasen, die aus den tieferen Erdschichten kommen. Verhältnismäßig einfach und leicht verständlich ist der Mechanismus der sog. Frühlings-, Mai-, Sommer- oder Hunger-Quellen. Hungerquellen oder Hungerbrunnen werden solche Quellen genannt, die in außerordentlich regenreichen Zeiten fließen, also in Zeiten, in denen große Nässe der Fruchtbarkeit der Felder schadet und ihnen die Vorbedeutung von Mißernte und hohen Getreidepreisen zukommt. Alle diese vorgenannten Quellen sind weiter nichts als die Folge großer Niederschläge oder auftauender Schneemassen, die in klüftigen Untergrund versinken und dann mit mehr oder weniger großer Verzögerung irgendwo talab als geschlossene Wassermasse zutage treten. Eine Quelle dieser Art ist die Johannisquelle (Fontana Jon) im Unterengadin, welche nach TARNUZZER am längsten Jahrestage erscheinen und am kürzesten verschwinden soll. Bekannt ist auch die sog. Stockende Quelle im Val d'Asta, die nach Beobachtungen von KILIAS nachts 12 Uhr zu steigen anfängt. TARNUZZER gibt aber an, daß sie bereits um 12 Uhr nachts ihren Höchststand erreicht. Aus diesen voneinander abweichenden Angaben folgt wohl, daß bei der Quelle Val d'Asta von einem regelmäßigen Rhythmus des Fließens nicht die Rede sein kann. ...