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Basaltgänge als Grundwasserscheider, Quell-Linien und Mineralspender

MÜLLER, BRUNO

Kurzfassung

Wenn sich ein Grundwasserstrom im durchlässigen Sandstein bewegt, so kann ihn die dichte, lückenlose Gesteinswand eines Basaltganges aufhalten, anstauen oder ablenken. Schon lange waren im Sandsteingebiete der nordböhmischen Kreideformation einzelne Basaltgänge bekannt, weil sie als schwarze Mauern auf langgezogenen Hügelketten stehen und weithin sichtbar sind. Aber erst durch genaue geologische Kartierung des ganzen Gebietes konnte ich nachweisen, daß es sich durchaus nicht um vereinzelte Vorkommnisse handelt, sondern daß ein dichtes Netz von Basaltgängen die Landschaft überall durchzieht. Freilich sind die meisten dieser Gänge nicht gar so leicht aufzufinden, weil sie im Gelände nicht hervortreten und, von einer Schuttdecke bedeckt, sich nur durch die Pflanzengesellschaften, kleine Wasseraustritte, alte Schurflöcher usw. verraten. Es ist klar, daß ein solches Gangnetz den gesamten im Sandstein verborgenen Grundwasserkörper in einzelne Kammern teilen muß. Wird aber der Grundwasserkörper durch mergelige Zwischenschichten des Sandsteines in mehrere Stockwerke zerlegt, so scheidet natürlich jeder senkrechte Gang sämtliche übereinander liegenden Stockwerke in Grundwasserkammern, die oberen aber viel vollkommener als die unteren. Der Basalt ist nämlich nicht absolut wasserundurchlässig, weil er sich beim Erkalten zusammenziehen, in Säulen oder Blöcke zerspringen und sich von den Sandsteinwänden loslösen mußte. Steht das Wasser im untersten Stockwerke unter hohem artesischen Druck, was gewöhnlich der Fall ist, dringt das Wasser durch das Spaltenwerk im und am Gange langsam zur Erdoberfläche empor. Der Gang wirkt daher wie ein Ventil, das um so mehr gedrosselt ist, je enger die Ritzen sind, je mehr der Basalt durch Verwitterung verlettet ist und je höher der Gang emporsteigt. Ein bei b (Abb. 1) ausmündender Gang wird dem emporsickernden Wasser einen geringeren Widerstand entgegensetzen, als ein den Berggipfel c erreichender Gang. HIRSCH (1931) hat einwandfrei nachgewiesen, daß bei den nordböhmischen Tiefbohrungen fast ausnahmslos der artesische Überdruck mit der Tiefe des Bohrloches steigt. HIBSCH sieht die Ursache im Druck der auf dem Grundwasser lastenden Schichten, ich aber halte die bessere Drosselung der Ventile durch Vergrößerung der Steighöhe für den wahren Grund. ...