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Über chemisch-physikalische Wechselwirkungen zwischen Mineralquellen und den für ihre Fassung, Leitung und Aufbewahrung zur Verwendung kommenden Werkstoffen

HAERTL, PAUL

Kurzfassung

Schon in einem 1913 auf der Tagung des Allgemeinen Deutschen Bäderverbandes erstatteten Referat habe ich ausführlich dargelegt, daß als Material für Fassungen, Leitungen, Reservoire und Rezipienten usw. von Mineralquellen nur solche Werkstoffe zur Verwendung kommen dürfen, die jeweils genau dem individuellen, chemisch-physikalischen Charakter des betreffenden Mineralwassers angepaßt sind. Im Laufe der inzwischen verflossenen Jahre hatte ich nun reichlich Gelegenheit, bei einer sehr großen Anzahl verschiedenster Heilquellen des In- und Auslandes die Richtigkeit und Wichtigkeit dieser Grundbedingung durch weitere eigene und fremde Beobachtungen, Untersuchungen und Versuche zu bestätigen. Hierzu kam noch, daß ich mir auch von Bädern, die ich nicht persönlich besuchte, über die in den einzelnen Betrieben bislang auf diesem Gebiet gemachten Erfahrungen vertraulich berichten ließ, wobei das Ergebnis eigener Forschung noch in vieler Hinsicht ergänzt wurde. Alles, was an Material wie Holz in seinen verschiedenen Arten und Imprägnierungen, an Metallen, wie Stahl, Gußeisen, Kupfer, Aluminium, Zinn, Zink, Blei, Nickel, Kobalt und Silber usw. in reinem oder legiertem Zustande, ferner an geteerten, asphaltierten, glasemaillierten usw. Rohren bei Mineralquellen verschiedenster Temperatur, Zusammensetzung und Konzentration zur Verwendung kam, mußte mich interessieren. Dabei gelang es mir nicht selten, auch Einblick in die sogenannten ,Geheimnisse" der Brunnenverwaltungen zu erhalten, die - wie dies ja menschlich begreiflich ist - ihre schlimmen und kostspieligen Erfahrungen mit ungeeignetem Installationsmaterial sonst zu verheimlichen suchen, um ihr Bad nicht zu diskreditieren. Hier aber, wo wir heute zusammengekommen sind, um dem weiteren Ausbau der Mineralquellen-Wissenschaft und -Technik zu dienen, halte ich es für richtig, wenigstens allgemein darauf hinzuweisen, daß gerade auf diesem Gebiet auch noch in letzter Zeit sehr viel gesündigt wurde, da diesbezügliche öffentliche Beratungsstellen fehlen und nur zu oft nicht ein Spezialfachmann beigezogen wird, sondern der einfache, wenn auch beruflich sonst vielleicht recht tüchtige Installateur das für normale Verhältnisse, d. i. bei Süßwasser gebräuchliche, für Mineralwasser aber gänzlich unbrauchbare Material wählt. ...