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Die natürlichen Grundlagen für die Fassung einiger westdeutscher Mineralquellen

SCHEREER, ARNOLD

Kurzfassung

Der Westen Deutschlands ist von der Natur reich beschenkt mit einer Reihe wichtiger und berühmter Mineralquellen. Manche sind so lange bekannt wie die Geschichte der Gegend, die sie oft in bestimmender Weise beeinflußt haben. Ursprünglich sind diese alten Quellen ausnahmslos ohne jede fremde Hilfe bis zur Erdoberfläche emporgestiegen. Dort waren sie in Bodensenken oder an den Ufern oberirdischer Wasserläufe sichtbar, konnten aufgefunden und in Benutzung genommen werden. Heute findet man Quellen im Urzustand in unserer Gegend kaum mehr. Überall sind Eingriffe durch den Menschen erfolgt, veranlaßt manchmal durch Naturereignisse oder durch die Tätigkeit der Quellen selbst oder durch die Anpassung an andere Ansprüche bei der Verwendung des Mineralwassers und der sich daraus ergebenden Folgen. Die Ausgrabungen, die bei Quellfassungen der neuen Zeit notwendig geworden sind, haben in einzelnen, seltenen Fällen noch gewisse Anhaltspunkte ergeben über den Zustand, den diese Quellen vor Beginn der Auswirkung des menschlichen Einflusses hatten. Am Stahlbrunnen in Bad Schwalbach waren die Fassungen der vergangenen Jahrhunderte immer im Geschiebe stecken geblieben. Die tiefer liegende, unberührte Naturquelle bestand aus einem Haseluußstock, der mit seinen flach liegenden, großen Wurzeln kernfaul geworden war infolge einer Vertorfung der Umgebung, die ein Gehängerutsch im Unterlauf des Baches verursacht hatte. Stock und Wurzeln bildeten eine Art Rohrsystem, das dem stark gashaltigen Mineralwasser ein leichteres Aufsteigen aus den Taunusschiefern ermöglichte, als die vertorfte, verschlammte Umgebung. In Friedrichshall bei Koburg wurde bei der Anlage eines Schachtes für die Aufnahme der Fassungen der Quelle 2 etwa 5 m unter Erdoberfläche dicht neben einem ehemaligen Bachbett eine selbständige kleine Salzquelle gefunden, die im Ausgehenden der Keupermergel aus einer kleinen Kluft kam, deren mittlerer Teil nicht zugesintert war. Um diese Salzquelle herum fanden wir eine Art Jägerlager aus prähistorischer Zeit mit allerlei Beigaben und Einrichtungen, aus denen zweifelsfrei hervorging, daß das Salzquellchen zur Pökelung der Jagdbeute verwendet worden war. ...