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Erfahrungen im Betrieb der Wiesbadener Anlagen zur Erzeugung künstlichen Grundwassers

BÜCHER, CHRISTIAN

Kurzfassung

Das im Jahre 1898 zwischen Schierstein und Niederwalluf gegründete Grundwasserwerk der Stadt Wiesbaden hat in den ersten 20 Jahren seines Bestehens in wasserhygienischer Hinsicht nicht befriedigt. Die Brunnenanlage lieferte eine Mischung von echtem Grundwasser mit uferfiltriertem Rheinwasser aus einem toten Rheinarm. Da im Untergrund des Einzugsgebiets der Brunnen nur relativ geringe Mengen echten Grundwassers vorhanden waren, mußte bei zunehmender Förderung mehr uferfiltriertes Rheinwasser gewonnen werden. Mit zunehmender Inanspruchnahme solchen Wassers verschlechterte sich die Beschaffenheit des Brunnenwassers in steigendem Maße, derartig, daß auch unter Anwendung von Hilfsmitteln, wie Ozon und Chlor, eine ausreichende Verbesserung nicht erzielt werden konnte. Ursache der eingetretenen Mißstände war die übermäßige Verschmutzung des Rheines infolge der ihm durch den Main zugeführten Wassermengen. Dazu kam, daß sich der Standort der Brunnen innerhalb des Hochwassergebiets des Rheines befand, und die Oberfläche wesentlicher Teile des Brunneneinzugsgebiets wenig über der Mittelwasserhöhe lag. Unter diesen Verhältnissen wurde das gewonnene Wasser hauptsächlich nur als Nutewasser durch besondere Zuleitungen, Behälter und Rohrnetze den Verbrauchern zugeführt. Auf Grund der gewonnenen Erfahrungen wurden in den Jahren 1921 bis 1924 die Wassergewinnungsanlagen für eine Leistungsfähigkeit von 15 000 cbm/Tag umgebaut und ergänzt. Seitdem betreiben wir in Schierstein planmäßig die Erzeugung künstlichen Grundwassers, dessen Güte allen Anforderungen entspricht und echtem Grundwasser gleichgestellt werden kann. Danach konnte in 1924 die Nutzwasserversorgung aufgegeben und das Stadtgebiet wieder ausschließlich mit Trinkwasser versorgt werden. Die interessanten Um- und Ergänzungsbauten sind in der Zeitschrift ,Das Gas- und Wasserfach", Heft 24, 25 und 26 des Jahrganges 1928 beschrieben worden. Ich kann daher auf diese Veröffentlichung verweisen. Das zur Infiltration gelangende Wasser wird mittels eines in der Mitte des Strombettes eingelassenen Bauwerks außerhalb der Verschmutzungszone entnommen und durch eine schmiedeeiserne, unter der Stromsohle verlegte Rohrleitung von 700 mm l. W. mit Hilfe eines Pumpwerks nach einer Meßkammer gefördert. ...