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Beiträge zur Geologie der nordwestlichen Halbinsel von Island (Basaltdecken und -Gänge - Kare - Quarzdünen als Zeichen prätertiären Untergrundes - Marine Terrassen - Verschwundene Plateaugletscher - Karte der Gegend von Isafjördur)

Keilhack, Konrad

Kurzfassung

Während meines letzten Aufenthaltes in Island in der 1. Hälfte 1924 hatte ich Gelegenheit zu einem einwöchigen Besuche der geologisch recht wenig bekannten nordwestlichen Halbinsel. Ich war dabei durch außergewöhnlich gutes Wetter und hervorragende Klarheit der Luft begünstigt. Die Reise vollzog sich in der Weise, daß ich mit dem norwegischen Dampfer Botnia von Reykjavik um die Snaefellshalbinsel herum zuerst die SW-Spitze der NW-Halbinsel Látraróst erreichte. Dann ging die Fahrt entlang der Küste nach NW und in den Patreksfjördr hinein zum Handelsplatz Vatneyri, dann nach N und hinein in den Arnarfjördr nach Bildudalr, hierauf in den nächst nördlichen Fjord, den Dyrafjördr nach Thingeyri, in den Önundarfjord nach Flateyri und endlich in den längsten und breitesten der nordwestisländischen Fjorde, den Isafjardardjup, von dem sich wieder acht 50-100 km lange Fjorde abzweigen. Meine Fahrt endete im westlichsten dieser Fjorde, dem Skutilsfjördr, an welchem die kräftig aufblühende Handelsstadt Isafjördr liegt. Hier bot ein mehrtägiger Aufenthalt Gelegenhheit zu genauerer Erkundung der Umgebung. Meine Mitteilungen sollen sich beziehen auf folgende 7 Punkte: 1. Mächtigkeit und Alter der Basaltdecken, 2. Basaltgänge, 3. Kare, 4. Quarzdünensande als Zeichen älteren Untergrundes, 5. Marine Terrassen, 6. Das Verschwinden der Gletscher der nordwestlichen Halbinsel, 7. Erläuterung der geologischen Kartenskizze der Umgebung von Isafjördr. 1. Die Basaltdeckensysteme: Die nordwestliche Halbinsel Islands wird in ihrer Gesamtheit von tertiären Basaltdecken aufgebaut, die völlig ungestört und in annähernd horizontaler Lagerung an Hunderte von Kilometern langen Küstenstrecken beobachtbar sind und vielfach in ungeheuren, bis 600 m hohen Steilwänden ins Meer abstürzen. Nur im Innern des Arnarfjördrgebietes schaltet sich eine abweichende Gesteinsbildung ein, dünnplattige, von unten bis oben zu Schutt zerfallene Gesteine, über deren Charakter und Alter ich aber durchaus nichts aussagen kann, da ich sie nur vom Schiffe aus gesehen habe. Dagegen konnte ich über Mächtigkeit und Zahl der einzelnen Decken, die das Basaltgebirge aufbauen, eine Reihe von Beobachtungen machen, begünstigt durch die äußerst klare Luft, die es beispielsweise gestattete, vom Eingange in den Önundarfjord aus nach SW und NO die beiden, dienordwestliche Halbinsel abschließenden kleinen Halbinseln von Látraróst und Straumnes gleichzeitig zu erkennen, und zwar nicht nur im Umriß, sondern auch in der Art der Gesteinslagerung, und dabei beträgt ihr Abstand 125 km! ...