Original paper

Über Endophyllum bowerbanki M. ED. U. H.

Torley, K.

Kurzfassung

Die Beschreibung dieser ebenso seltenen wie eigenartigen Rugose durch MILNE EDWARDS & HAIME ist so verfehlt und zugleich so irreführend, daß es des Scharfsinnes SCHLÜTER'S bedurfte, um herauszufinden, welche Koralle überhaupt den beiden Forschern vorgelegen hatte. Aber auch SCHLÜTER'S Darstellung ist nicht zutreffend. Seinem Originale fehlte ein wesentlicher Bestandteil - die Kelche -, und diesem Mangel ist es zuzuschreiben, daß er uns kein vollständiges und richtiges Bild vom Bau und der systematischen Stellung der Koralle geben konnte. Angeregt durch seine Angaben über die Herkunft des Bruchstücks, habe ich verschiedentlich die Fundstelle aufgesucht und hatte schließlich auch das Glück, mitten im Massenkalk, im Bette des kleinen durch Holthausen fließenden Baches, einen gewaltigen, würfelförmigen Block von ungefähr 1/2 m Seitenlänge zu finden, dessen ganze Masse einen einzigen Korallenstock bildete. Die Erhaltung der Kelche war zwar nicht die allerbeste, genügte aber, um uns über nichts im unklaren zu lassen. Es gelingt übrigens auch ab und zu, durch Spaltung alte Kelche wiederherzustellen, und solche Spaltstücke gewähren uns dann denselben Anblick wie MAURER'S Ptychophyllum palmatum, so daß auch SCHLÜTER darin recht behält, wenn er in dieser Koralle ein Endophyllum bowerbanki vermutete. Die einzelnen Polypiten stoßen, ohne daß eine Theka die Grenze anzeigt, aber auch ohne Zwischengewebe, unmittelbar aneinander. Die Kelche (Taf. 55, Fig. 1 und 2) sind polygonal und haben an ihrer Mündung einen Durchmesser von 2 1/2 - 3 cm. Sie sind durch einen scharfen Grat von ihren Nachbarkelchen geschieden. Die Kelchgrubenwandung stößt unter einem Winkel von 45º auf den flachen Kelchboden, der durch eine seichte, ringförmige Grube umrandet wird. Die Septen sind in dem auf der Kelchgrubenwandung gelegenen Abschnitt sehr breit und nur durch eine schmale Furche voneinander getrennt, werden aber, sobald sie den Kelchboden erreichen, erheblich schmaler. Die Septa zweiter Ordnung ragen nur kurz in den mittleren, dem Kelchboden angehörigen Teil der Koralle hinein, während die Septa erster Ordnung fast bis zum Zentrum gelangen und hier etwas umeinander gedreht sind. ...