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Erdmagnetismus und saxonische Tektonik

Reich, H.

Kurzfassung

Im Anschluß an erdmagnetische Arbeiten, über die 1927 (REICH 1927) ganz allgemein und dann 1930 (REICH 1932) im besonderen (Anomalie der Prignitz) vorgetragen wurde, möchte ich über weitere Ergebnisse auf diesem Gebiete berichten. Während damals in der Hauptsache Messungen aus Gebieten vorlagen, in denen nur sehr wenig über den tieferen Untergrund bekannt ist, kann ich heute auch Messungen aus dem Bereich gut bekannter, saxonischer Tektonik vorführen. Wir haben so Gelegenheit, die Beziehungen der geologischen Körper, die die magnetischen Störungen verursachen, zur Sedimenttektonik zu beobachten und können daran hypothetische Betrachtungen über die wahrscheinlichen kausalen Zusammenhänge knüpfen. I. Allgemeine Voraussetzungen: a) Es kann heute als sicher bewiesen gelten, daß die Sedimente des norddeutschen Tieflandes, wenn überhaupt, dann nur sehr untergeordnet, an dem Zustandekommen der größeren magnetischen Anomalien dieses Gebietes beteiligt sind. Magnetische Anomalien von dem Ausmaße, wie ich sie heute im Bilde zeigen kann, sind nur denkbar als Wirkung kristalliner Gesteine. Das ergibt die Rechnung nach den heute in ausreichender Menge vorhandenen Untersuchungen über die magnetischen Eigenschaften der Gesteine (z. B. PUZICHA, 1930) und das ist ebenso durch alle magnetischen Felduntersuchungen bestätigt worden, bei denen sich die magnetisch wirksamen Gesteine wirklich ermitteln ließen. Danach sind nicht alle kristallinen Gesteine magnetisch: Viele, saure Granite, die meisten Paragneise und Phyllite sind unmagnetisch oder wenigstens nur schwach magnetisch. Es sind vielmehr vorzugsweise basische, relativ quarzarme, eisenreiche, kristalline Gesteine, bei denen wir die stärksten magnetischen Wirkungen erwarten dürfen und auch tatsächlich gefunden haben. Allerdings sind basische Eruptiva, die keine stärkere Metamorphose durchgemacht haben, oft nur schwach magnetisch. Ich kann hier z. B. auf manche Harzmelaphyre und Diabase, ja sogar manche Gabbrogesteine verweisen. Im alten hochmetamorphem Kristallin ist mir ein derartiges Verhalten indes bisher unbekannt: Dort sind die Umwandlungsprodukte derartiger Gesteine nach den mir vorliegenden Beobachtungen stets magnetisch. Schließlich ist die Wirkung wirklich stark magnetischer, junger Eruptivgesteine, wie z. B. die vieler deutscher Basalte, die erhebliche Anomalien hervorbringen, fast stets örtlich begrenzt und meist schon in einer Entfernung von wenigen 100 Metern kaum mehr nachweisbar. ...