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Zwei paläontologische Arbeiten aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts - JACOBI A MELLE: 1. De echinitis Wagricis ad v. c. (virum clarissimum) Joh. Woodwardum epistola. Lubecae. Typis Samuelis Struckii MDCCXVIII. 2. De lapidibus figuratis agri litorisque lube

Range, Paul

Kurzfassung

Bei den Vorbereitungen für die Lübecker Tagung fielen mir die oben zitierten zwei Arbeiten in die Hände, die sich in der Lübecker Staatsbibliothek befinden. Für Mitteilungen über den Autor bin ich den Herren STRUCK und v. LÜTGENDOKF ZU Dank verpflichtet, letzterem besonders auch für Beschaffung des Bildes desselben. VON MELLE war Senior reverendi ministerii zu Lübeck, also Theologe .... Er hat eine ganze Reihe von Schriften verfaßt, die sich z. T. auf die Geschichte Lübecks beziehen. M. war ein vielseitig gebildeter Mann, der mit den bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit in Briefwechsel stand. Unter anderem legte er auch naturwissenschaftliche Sammlungen an. Der Katalog derselben ist im Manuskript gleichfalls in unserer Bibliothek vorhanden und hat den Titel: Museum Mellianum vel sacrarium naturae et artis, in usum et oblectationem oculi animique curiosi adornatum. Lubecae 1709. Beim Durchlesen seiner oben zitierten Arbeiten mußte ich mit wachsender Bewunderung wahrnehmen, mit wieviel Scharfsinn der gelehrte Verfasser die ihn interessierenden Objekte - es handelt sich vorzugsweise um Sedimentärgeschiebe - studiert hat. Der ersten Arbeit ist eine Tafel beigegeben, die des Interesses halber, die in unserem Kreise eine über 200 Jahre alte Darstellung von Echinodermen beanspruchen kann, hier wiedergegeben ist (Taf. 58). Die Seeigel sind so naturgetreu gezeichnet, daß man sie annähernd mit den uns jetzt bekannten Arten der oberen Kreide identifizieren kann. Die Deutungen, welche ich den Abbildungen beilege, sind am Fuße der Tafel vermerkt. In der damals üblichen, etwas weitläufigen Darstellung behandelt der Verfasser seine Funde. Die erste Mitteilung ist an I. WOODWARD in London gerichtet, der als Naturforscher größtes Ansehen genoß. MELLE nennt ihn: ,Vir clarissime, qui inter curiosos rerum naturalium scrutatores facile princeps es," apud Londinenses in Collegio Greshamensi Professor. W. hatte MELLE Fossilien aus England durch dessen Sohn übersandt. Es wäre wissenswert festzustellen, ob dieser WOODWARD ein Vorfahr des SMITH-WOODWARD unserer Tage gewesen ist. Die volkstümliche Bezeichnung für fossile Seeigel war in Deutschland damals Knopfsteine, entsprechend dem Englischen Button stones, damit werden vornehmlich kleinere Exemplare bezeichnet sein. Die Niendorfer Fischer (Niendorf ist ein Dorf an der Lübecker Bucht, westlich des Brothener Steilufers, 16 km NNO von Lübeck), von denen M. zahlreiche Stücke erhielt, nannten sie ,Dwarlstene" (niederdeutsch = Kreiselsteine), weil sie von den Kindern als Kreisel benutzt wurden. ...