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Über die Bestandteile der Tone

Correns, Carl W.

Kurzfassung

Die Tone können je nach ihrer Entstehung recht verschiedenartige Zusammensetzung aufweisen. Das ist eine alte Erkenntnis, der schon C. F. NAUMANN 1850 dadurch Ausdruck gegeben hat, daß er den durch mechanische Zerkleinerung von Mineralien entstandenen Peliten die dialytischen oder limmatischen Pelite, die vorwiegend aus den Produkten der chemischen Verwitterung bestehen sollten, gegenüberstellte. 1915 hat SALOMON für diese Zweiteilung die Namen Alphitite (Gesteinsmehle) und echte Tone vorgeschlagen. Diese Bezeichnungen haben sich nicht durchsetzen können. Der Hauptgrund dafür ist wohl darin zu suchen, daß die Unterscheidung der Tone wegen ihrer außerordentlich feinen Korngröße sehr schwierig ist. Die Technik, der es vor allem auf eine rasche Methode der Charakterisierung der Tone ankommt, benutzt die rationelle Analyse. Diese ging ursprünglich von einer Arbeitshypothese aus, die nur für Kaoline Gültigkeit haben kann, nämlich der, daß es sich bei den Tonen um Zersetzungsprodukte der Feldspate handelt. So unterschied man zunächst zwischen schwefelsäurelöslichem Anteil und den unzersetzbaren Resten Feldspat und Quarz. Später lernte man zwischen salzsäurelöslichen und schwefelsäurelöslichen Silikaten unterscheiden, und in der neueren Zeit nimmt man auch noch das Glühverlustwasser hinzu, um die Glimmer zu berechnen, von deren Anwesenheit man sich durch mikroskopische Untersuchungen überzeugt hatte. An der rationellen Analyse ist viel und berechtigte Kritik geübt worden. Ich möchte hier nur auf die sorgfältigen Untersuchungen von THIEBAUT (S. a. CORRENS 1933) hinweisen, der gezeigt hat, daß Orthoklas von Salzsäure und Schwefelsäure, Muskowit und Kaolin auch von Salzsäure in beträchtlichem Maße angegriffen werden und daß die ,Löslichkeit" sehr stark von der Korngröße abhängt. Nur wenn für die einzelnen Mineralien und für die einzelnen Korngrößen das Maß des Abbaus durch die Säuren festgelegt wäre, könnten wir exakte Angaben durch die rationelle Analyse erwarten, und auch dann würde die Analyse wieder falsch werden, wenn in einem Ton ein Mineral in größerer Menge auftritt, für das die Daten nicht ermittelt sind. ...