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Zum Adria-Problem

Nowack, Ernst

Kurzfassung

In VON SEIDLITZ'S Buch: ,Diskordanz und Orogenese der Gebirge am Mittelmeer" (Berlin 1931) und neuerdings in einem Aufsatze Baron NOPCSA'S: ,Zur Geschichte der Adria" (Z. deutsch, geol. Ges., 84) wird auf ältere Anschauungen zurückgreifend, mit großer Entschiedenheit für den Bestand eines ,Adriatis-Festlandes" eingetreten, welches im wesentlichen noch bis ins Jungtertiär den ganzen Raum des heutigen Adriatischen Meeres eingenommen haben soll. Besonders Baron NOPCSA zieht sehr viel neue Argumente, - neben geologischen auch biogeographische, - als Stütze dieser Theorie heran. VON SEIDLITZ betrachtet den großen ,Tonischen Bruch" als Südwestrand des alten Adriatis-Festlandes und rechnet somit zum Bereich dieses Festlandes auch noch die der Helleniden-Zone vorgelagerte Ionische Inselwelt. Der Nordostrand der Adriatis ist nach ihm durch das gegen das alte Festland vordringende ,Dinarische Deckenland" gegeben. Baron NOPCSA läßt die Adriatis an einer großen Transversallinie, die von der Otranto-Straße über Valona quer über Albanien zieht, ihren Südostrand finden und betrachtet damit auch ,Niederalbanien" als zum Adriatis-Festland gehörig. Die den Helleniden vorgelagerten Ionischen Ketten werden von ihm bereits als Dinarische Falten aufgefaßt, die sich gegen SW gegen das alte Festlandmassiv (Apulische Tafel) anpressen, bzw. sie weiter im Süden (zwischen Janina und Zante) bereits überwältigen. Von beiden Forschern werden meiner Ansicht nach einige Tatsachen übersehen oder doch zu gering eingeschätzt, die entschieden gegen die Theorie des Adriatis-Festlandes im angenommenen Umfang sprechen. Es soll hier von der nördlichen Adria, - nördlich der Linie, die vom Mt. Gargano zur Südendigung der Dalmatinischen Inselwelt hinüberläuft, - abgesehen werden, da es hier wirklich zahlreiche, geologische wie biogeographische Anhaltspunkte gibt, daß dieser auch heute noch seichtere Teil des Adriatischen Meeres bis ins Jungtertiär Festland war und die Solle eines Vorlandes der Dinariden gespielt hat. Auch der bis ins jüngste Tertiär reichenden Festlandsverbindung zwischen Ionischem Küstengebiet und Apulien will ich keineswegs entgegentreten. Hier scheint ein altes Ionisch-Apulisches Festland als Vorland eine ähnliche Rolle gespielt zu haben wie im Norden das Nordadriatische Festland; die von Baron NOPCSA entwickelten Vorstellungen sind hier durchaus einleuchtend. ...