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Die Undationstheorie und ihre Anwendung auf die mittelatlantische Schwelle

van Bemmelen, R. W.

Kurzfassung

Im Anschluß an die kürzlich in diesen Heften veröffentlichte Aussprache über die HAARMANN'sche Oszillationstheorie möge hier die inzwischen von mir aufgestellte Undationstheorie zur Diskussion vorgelegt werden. Eine ausführliche Darlegung dieser Theorie findet man in Lit. 4 und 5. Dort wurde als Beispiel der Malakka-Sumatra-Nias Undationszyklus gewählt und eingehend an der historisch-geologischen Entwicklungsgeschichte dieses Gebietes geprüft. Hierbei wurde eine auffallende Übereinstimmung zwischen den geologischen Tatsachen, sowie empirischen und geophysikalischen Gesetzmäßigkeiten einerseits, und den Deduktionen der Theorie andererseits gefunden. Im Nachstehenden wird nun versucht, die Undationstheorie auch als Schlüssel zur Lösung des Atlantikproblems zu gebrauchen. Der mittelatlantische Rücken ist eine der auffallendsten Erscheinungen im Relief des Atlantischen Ozeans. Er bildet dessen Achse und verläuft ungefähr parallel zu den Rändern der ihn auf beiden Seiten begrenzenden Kontinente (Abb. 1). Die Großzügigkeit und Einfachheit dieses Phänomens macht es zu einem Grundproblem der Geotektonik. I. Bisherige Anschauungen: In den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche Hypothesen über Charakter und Entstehung des mittelatlantischen Rückens aufgestellt worden. Sie können in zwei Gruppen geteilt werden: 1. Hypothesen, welche die Ursachen der Entstehung in horizontaler Verschiebung der Kontinente suchen (Rindentrift, Epeirophorese), wobei der Atlantische Ozean eine gewaltige Dehnungsspalte vorstellen müßte. PICKERING (1907) vertrat als erster die Idee, daß der Atlantische Ozean eine Zerrungsspalte ist. Er brachte die Abspaltung des Mondes mit einem Auseinanderreißen der Kontinente entlang der atlantischen Spalte in ursächlichen Zusammenhang. Diese Idee des tangentialen Auseinandertreibens der Kruste finden wir weiterhin in den Erklärungsversuchen von TAYLOR (1910) und A. WEGENER (1915). Die Ursachen des Auseinanderreißens werden dabei in den Rotationskräften der Erde gesucht. Das Auseinanderreißen des amerikanischen und des europäisch-afrikanischen Kontinentes soll nach WEGENER erst im Tertiär, ja zwischen Nordeuropa und Nordamerika erst im Diluvium stattgefunden haben. ...