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Zur Frage des Verlaufes der Weser im Gebiete der älteren Vereisungen

Grupe, O.

Kurzfassung

Der im 84. Bande dieser Zeitschrift (105 ff.) veröffentlichte Aufsatz des Herrn UDLUFT ,Kann der Verlauf der Weser im Vereisungsgebiet während der ersten und zweiten Eiszeit verfolgt werden?" veranlaßt mich, zu dieser Frage Stellung zu nehmen, da ich UDLUFT'S Ausführungen nicht in allen Punkten für richtig halte. Zunächst erscheint mir die Formulierung des Aufsatztitels wenig glücklich insofern nämlich, als der Verfasser in seiner Arbeit, die letzten Endes zu einem negativen Ergebnis kommt, ausschließlich das Flachland zwischen Weser und Ems behandelt, während in Wirklichkeit das Inlandeis der Elster- und Saaleeiszeit bekanntlich viel weiter südlich bis in das Herz des Weserberglandes vorgestoßen ist und gerade in diesem südlichen Gebietsabschnitt überall die alten Weserläufe sich durch ihre Terrassen kenntlich machen. Offenbar handelt es sich dabei um Flußablagerungen in einem früheren Stadium der beiden nordischen Vergletscherungen, in dem die Weser noch die Möglichkeit hatte, in dem Raume zwischen Gebirgsland und Inlandeis nach Westen auszuweichen. So drang der Gletscher der Elstereiszeit über Holzminden hinaus bis an den Fuß des Sollings vor, und in dem ganzen talabwärts gelegenen Gebiet bis Hameln ist die dieser Eiszeit angehörende Obere Terrasse in Form einzelner Relikte noch erhalten. Nicht ganz so weit reicht im Wesertal selbst die Saalevereisung, deren südlichste endmoränen- bzw. kamesartige Bildungen den Talabschnitt zwischen Hameln und Minden erfüllen. Erst im angrenzenden lippischen Bergland gewinnt dieser Gletscher sowohl von der Weserseite wie von der Münsterschen Bucht her bis in die Senne hinein eine größere Ausdehnung, und auch in diesem Falle kommt unter den genannten Glazialaufschüttungen, z. T. durch die nachträgliche Erosion von ihnen befreit, die wiederum einem früheren Stadium dieser Vergletscherung entsprechende Flußterrassenbildung, die Mittlere Weserterrasse, zwischen Hameln und Minden zum Vorschein. ...