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Oberbayrische Pechkohle

Stutzer, O.

Kurzfassung

Ganz kurz möchte ich auf einige Erscheinungen hinweisen, die an oberbayrischer Pechkohle auffallen. Bruchflächen: Oberbayrische Pechkohle in reinster Form ist homogen und bricht muschelig. Der muschelige Bruch hat mitunter eine Rinnenskulptur, deren Rinnen dünn beginnen, breiter und tiefer werden und sich vereinen (Abb. 1). Wenn Schlechten die Kohle durchsetzen, bricht sie parallel den Schlechten. Auch absätzige Schlechtenbildung kommt vor. In diesem Falle sehen wir im Querbruch keine durchlaufenden parallelen Spaltlinien, sondern kurze, einander parallele Spalt-Risse (Taf. 4 Bild 1). Und die Schlechtenebene ist keine zusammenhängende glatte Fläche, sondern eine Fläche mit unregelmäßigen, glatten Flecken, häufig von der Größe eines Pfennigs (Taf. 4 Bild 2). Alle sichtbaren Flecke spiegeln im reflektierten Licht gleichzeitig. Sie erinnern an Augen. Im Querbruch geben diese Flecken die eben genannten kurzen Striche. Bereits in früheren Abhandlungen haben wir auseinandergesetzt, daß Augen und Schlechten verwandt sind. Beides sind Schieferungserscheinungen. Sie entstanden durch Seitendruck. Senkrecht zu diesem Druck stehen Schieferung, Schlechten und Augen. Die Augen der oberbayrischen Kohle scheinen auf Pechkohlenholz beschränkt. Alle mir vorgelegenen Augenkohlen Oberbayerns hatten Holzmaserung. Man kennt große Augen (Taf. 5 Bild 1) und dicht nebeneinanderliegende kleine Augen. Auch Augen in zwei sich kreuzenden Richtungen kommen vor, ein Analogon zu sich kreuzenden Schlechten. Den Übergang zwischen Schlechten und Augen zeigen Stücke unserer Sammlung. Ein Stück von Penzberg hat eine Lage, die aus Augenkohle besteht. Die Lage mit Augen ist Pechkohlenholz, erkennbar an der Maserung. Der andere Teil der Kohle ist heterogen zusammengesetzt, es ist normale Streifenkohle mit Einlagerung einzelner Muschelschalen. Der Schieferungsdruck schuf in der Streifenkohle dieses Stückes ebene Ablösungsflächen, d. h. Schlechten, im eingelagerten Pechkohlenholz aber Augen. Die Ebenen, in denen Schlechten und Augen liegen, haben dasselbe Streichen, das eine ist die Fortsetzung des anderen (Taf. 5 Bild 2). Man sieht hier so recht, daß Schlechten und Augen verwandt sind, und daß beide durch die gleiche Ursache entstanden. ...