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Kluftstreichen im Erzgebiet von Massa Marittima, Toskana

Heise, Walter

Kurzfassung

Das schon in vorrömischer Zeit den Etruskern bekannte Erzgebiet von Massa Marittima mit seinen mannigfaltigen, meist metasomatischen Lagerstätten und den nicht weniger interessanten Borsäure-Soffionen liegt auf dem italienischen Festlande der Insel Elba gegenüber. Es umfaßt ein Quadrat von rd. 80 km Seitenlänge, in dessen Nordostecke die Stadt Siena liegt. Massa Marittima selbst liegt auf Nordost-Südwest-Diagonale dieses Quadrates, etwa 20 km von der Küste entfernt. Die unmittelbare Nachbarschaft der Erzgruben, die vermittelnde Lage zwischen der Küste, mit den Häfen Piombino und Follonica, und dem Hinterlande, vor allem der Stadt Siena, verliehen der mittelalterlichen Republik Massa Marittima die überragende Stellung, die ihren wirtschaftlichen Niederschlag darin findet, daß Massa Marittima heute z. B. der Sitz einer der wenigen italienischen Bergschulen ist. Die Erzführung, zahlreiche jungtertiäre Eruptivmassive, die schon erwähnten Borsäure-Soffionen als letzte Spuren einer ausgedehnten eruptiven Tätigkeit und endlich Grabenbrüche von mehr als 10 km Breitenerstreckung weisen schon nach einem Blick auf die Karten der geologischen Landesaufnahme auf die intensive tektonische Beanspruchung hin, der das Gebiet vor allem in geologisch junger Zeit unterworfen war. Die unmittelbare Nachbarschaft der Linie von Elba, der ,Tyrrhenischen Narbe" KOBER'S, macht das Erzgebiet von Massa Marittima zu einem Gebiet, das tektonischer Studien größeren Ausmaßes wert ist. Die folgenden Ausführungen können naturgemäß nur einen kleinen Beitrag zu derartigen Studien liefern. Immerhin sind schon reine Kluftmessungen, besonders bezüglich des Streichens der Klüfte, geeignet, Licht auf die Bewegungsvorgänge während der Gebirgsbildung zu werfen. Darüber hinaus können derartige Kluftmessungen, wenn man zu ihrer Auswertung Messungen aus anderen Gegenden, in denen zu gleicher Zeit ganz anders geartete gebirgsbildende Vorgänge Platz gegriffen haben, heranzieht, auch für die Deutung der Großtektonik der Erdkruste Hinweise geben. Wenn auch die nachfolgend beschriebenen Messungen für derart weit gesteckte Ziele nicht ausreichen dürften, können sie doch einen Beitrag für spätere großtektonische Deutungsversuche darstellen. Folgt man der von KOBER gegebenen Deckeneinteilung, so findet man in dem Erzgebiet von Massa Marittima die Ligurische und die nächst ältere, die Toskanische Decke. Die Ligurische Decke ist im wesentlichen auf die südliche Hälfte des oben umrissenen Quadrates beschränkt. ...