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Eine Richtigstellung betreffend ,Transversalbeben in den nordöstlichen Alpen"

Schwinner, Robert

Kurzfassung

Zeiten der Umwälzung und der geistigen Unruhe neigen - überraschenderweise, aber es ist durch geschichtliche Beispiele aus verschiedenen Epochen belegt - zu enzyklopädischen Zusammenfassungen. Es ist wohl gerade dann nicht zweckmäßig, aber wann hätten sich geistige Strömungen um Zweckmäßigkeit gekümmert! Offenbar ist gerade dann, wenn Meinungen und Begriffe im Fließen sind, das Bedürfnis am stärksten, die ,Summa" des erworbenen Wissens festzulegen. Billigerweise wird man solchen Kämpfern gegen die Ungunst der Zeit das eine Erfordernis einer Enzyklopädie, die Vollständigkeit, nicht allzu streng nachrechnen dürfen; aber in einem anderen Punkte wäre Nachgiebigkeit vom Übel: was da gesammelt ist, das muß richtig sein, sonst stiften solche Zusammenfassungen mehr Schaden als Nutzen. Darum muß hier eine Ungenauigkeit richtig gestellt werden, welche in dem sonst sehr verdienstvollen ,Handbuch der Geophysik" (herausgeg. von GUTENBERG) eingeflossen ist. Es schreibt in demselben (Bd. IV, Liefg. 3, Erdbebengeographie, S. 733) A. SIEBERG: ... Einigermaßen war ich verwundert zu lesen, was u. a. auch ich gesagt haben sollte, es ist ungefähr das Gegenteil von dem, was ich wirklich gesagt hatte. Von Kessel- und Radialbrüchen habe ich nie ein Wort geschrieben; die Stoßlinienhypothese habe ich bekämpft, nicht etwa selbst ,Stoßlinien konstruiert". Vielmehr habe ich mich in ähnlichem Sinne ausgesprochen, wie es SIEBERG (in Liefg. 3, nicht in 2) als richtig hinstellt, insbesondere habe ich - wahrscheinlich als erster - hervorgehoben, daß die abnorme Bebenverbreitung (Transversalbeben) in den nordöstlichen Alpen durch die Eigenheiten ,geführter Wellen" (im Sinne ULLER'S) erklärt werden könnte. Es freut mich, daß ,unsere Untersuchungen" zu vielfach übereinstimmenden Ergebnissen geführt haben, nur ist es schade, daß durch ein Versehen bei der Zusammenstellung das im ,Handbuch der Geophysik" nicht so recht zum Ausdruck gekommen ist. Ferner, bei der spezialistischen Bearbeitung eines Kapitels einer solchen Enzyklopädie ist eine gewisse Einseitigkeit schwer zu vermeiden. Der Geologe muß demgegenüber die organischen Zusammenhänge der Naturerscheinung als Ganzes betonen, all die Wellen, Herde, Brüche und ähnliche Einzelheiten zweiter Ordnung können nur verstanden und ausgewertet werden in ihren Beziehungen und Zusammenhängen zu dem Stück Erdkruste, das als Ganzes angesehen der eigentliche und Hauptgegenstand der Untersuchung ist. ...