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Die Gürich-Berckhemer'schen Wülste

Freudenberg, W.

Kurzfassung

In dieser Zeitschrift 65, 1933, Taf. 57 und S. 655 (Abb. 5) deutet bunch ganz richtig einer Anregung BERCKHEMER'S folgend die sog. Fließwülste (S. 656 der Arbeit GÜRICH: Schrägrichtungsbögen usw.) als Ausfüllungen von Kolken in tonig-feinsandiger Unterlage, also Ausgüsse der Sohlenoberfläche. ,Das bewegte Wasser riß in dem schlammigen Sediment jeder Spitze eines Zapfens entsprechend, je einen kleinen Kolk heraus der stromabwärts sich verflachte und verbreiterte." Über die Natur solcher Strömung gibt GÜRICH leider keinen Aufschluß. Sie ist aber nicht schwer zu finden, wenn man die korkzieherartige Biegung der Wulste, ihre Schraubennatur beachtet. Das ist mir in den Fließwulsten um Heidelberg, besonders in höheren Stufen des Buntsandsteins schon längst aufgefallen und hat mich zu der Überzeugung gebracht daß das bewegte Wasser hier in Wirbelfäden aufgelöst war, die das Tongestein der Sohle aushöhlten und, wie BERCKHEMER richtig bemerkt, später vom Sand der Dachlage ausgefüllt wurden. So haben wir ein Strömungsexperiment in reinster Form fossil erhalten. Der wirbelnde Wasserfaden bohrt in die Tiefe. Er bewegt sich schneller als benachbarte Wasserteile, die mehr ruhig blattartig als Grundwalzen strömen. Es müßte demnach natürlich heißen: ,der stromabwärts sich verschärfte". An Fährtenspuren ist natürlich nicht zu denken, ganz entgegen von Unterrichtsmeinungen auf Lehrausflügen in Heidelberger Gegend. Dem widersprach ich schon vor dreißig Jahren. Übrigens kommen auch richtige Fährten im ECK'schen Konglomerat höchst selten am Königstuhl bei Heidelberg in der Rombachschlucht vor. Es handelt sich um ein großes Chirotherium-ähnliches Tier mit jeweils äußerer und innerer Zehe gut im Anguß erhalten. (Sammlung FREUDENBERG, Schlierbach.)