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Diluvialmorphologische Untersuchungen in Südost-Holstein

Gripp, Karl

Kurzfassung

Nachdem die äußerste Grenze der jüngsten Vereisung in NW-Deutschland bis auf wenige km Entfernung festgelegt ist, dürfte es, besonders im Hinblick auf die neuen Funde von Kulturen paläolithischen Aussehens, eine der wichtigsten Aufgaben sein, den Ablauf des jüngsten Eisvorstoßes in seinen Einzelheiten klar zu legen. Hierzu erscheint eine möglichst genaue Kenntnis der Eisrandlagen der verschiedenen Vorstöße des schwindenden Eises erforderlich. Dabei steht zu erwarten, Eisrandlagen aufzufinden, die in die Stirnmoränen im Bereich der heutigen Ostsee einbiegen, dementsprechend am heutigen Ostseestrand in das Meer hinein verlaufen. Ferner erscheint eine Untersuchung der Entwässerungsverhältnisse von nöten, insbesondere ist erneut zu fragen, ob und von welcher Eisrandlage an die Entwässerung überwiegend subglacial rückfließend durch das Ostseebecken geschah. Nachstehend soll versucht werden, für das Gebiet zwischen Hamburg und Travemünde die glacialen Eisrandlagen klarzustellen, ähnlich wie es V. MILTHERS in einer ausgezeichneten Arbeit jüngst für die ostjütische Küste und die nördlichen Gebiete von Fünen und Seeland getan hat. MILTHERS zog in reichem Maße die Ergebnisse seiner Geschiebezählungen hinzu. Dazu bin ich leider nicht in der Lage. Meine Deutung der diluvialen Formen beruht außer auf Inaugenscheinnahme des Geländes auf dem Studium von Meßtischblättern, bei denen die Höhenunterschiede in 10 und 20 m Abstand, für das Gebiet der Lübecker Mulde sogar im Abstand von 5 m, farbig hervorgehoben sind. Wenn man für unseren Bereich Gebiete, die ihre Umgebung höhenzugartig überragen, als endmoräne-verdächtig ansieht, so ist eine Täuschung durch tektonisch gehobene Gebiete kaum zu befürchten. Das untersuchte Gebiet erschien deshalb geeignet, weil in der Lübecker Mulde die Verhältnisse besonders einfach liegen und eine Basis sicherer Erkenntnis abgeben. Ganz natürlich ergibt sich eine Dreiteilung der Eisrandlagen 1. älter als die Umrahmung der Lübecker Mulde = Aeußere Randlagen, 2. die Eisrandlagen um jene Mulde = Mittlere Randlagen, 3. die Eisrandlagen jünger als jene beiden = Innere Randlagen. Die Eisrandlagen sollen nachstehend mit den Anfangsbuchstaben der drei Gruppen und Ziffern, die die Altersfolge in den einzelnen Gruppen angeben, benannt werden. ...