Original paper

A. Wegener's Stellungswechsel zur Frage der Paläoklimate

Kerner V. Marilaun, Fritz

Kurzfassung

A. WEGENER hat in der vierten Auflage seines Werkes über die Entstehung der Kontinente und Ozeane das Grundprinzip seiner Klimalehre in einer Weise eingeschränkt, welche einem teilweisen Widerruf gleich sieht. Auf S. 170 heißt es dort: ... Diese Sätze stehen in ziemlichem Widerspruch zu jenen, welche acht Jahre früher KÖPPEN in voller Übereinstimmung mit WEGENER ausgesprochen hatte: ... Eine sehr große Ekliptikschiefe hätte das Gedeihen der mesozoischen arktischen Floren (abzüglich der oberkretazeischen) nicht ermöglichen können. Diese immergrünen Floren aus Baumfarnen, Sagopalmen und wärmeliebenden Nadelhölzern erheischten ein mildes Klima ohne sibirische Wintertemperaturen. Bei WEGENER'S Klimalehre erscheint es minder befremdlich, daß sie aufgestellt wurde, als daß sie bei der erdrückenden Mehrheit der Geologen Zustimmung fand; bedeutete sie doch in ihrer ursprünglichen Form die Nichtanerkennung des Hauptergebnisses der geologischen Forschung betreffs der Vorweltklimate; die Ablehnung des thermisch uniformen (besser: thermisch wenig differenzierten) Klimas der Vorzeit, wie es in der Gleichförmigkeit der Meeresfauna des Anthrakolithikums und im Kosmopolitismus der Landflora des Rhäts seinen vollkommensten Ausdruck fand. Es scheint, daß die Blendung durch den Glanz der Erklärung der permokarbonischen Eiszeit die Geologen für andere paläoklimatologische Wahrnehmungen unempfindlich gemacht hat. Widerspruchslos läßt sich eine Mutter ihr liebstes Kind doch nur rauben, wenn sie gar nicht merkt, daß es ihr geraubt wird. Diese Unempfindlichkeit zeigte sich auch in bezug auf die geologische Zeitrechnung. Die Zeit vom Beginne der Trias bis zum Ende des Alttertiärs umfaßt den Großteil der Zeitspanne vom Oberkarbon bis zur Gegenwart. Diese Spanne umfaßt - nach gebräuchlichen Schätzungen - höchstens ein Viertel der seit dem Beginne des Kambriums verstrichenen Zeit. Die kambrische und die devonische Eiszeit (welche sich auf der Pangaea ungefähr dort abgespielt haben könnten, wo sich vor deren Zerfall die frühpermische Eiszeit abspielte - weil Ähnlichkeiten in der Verbreitungsweise gefunden wurden -) waren im Vergleich zur ungeheuren Länge der Zeitspanne Kambriumbeginn-Oberkarbon wohl auch nur relativ kurze Episoden. Es waren also - was vor WEGENER öfter behauptet wurde - eisfreie Pole die Regel, vereiste Pole die Ausnahme. ...