Original paper

Rudisten aus West-Tibet (Von der Forschungsreise TRINKLER-DE TERRA 1928/29.)

Klinghardt, F.

Kurzfassung

Sauvagesia garianica C. P. PARONA.- Aus einem Handstück von Kinderfaustgröße wurden 30 polierte Schnitte und 2 große Dünnschliffe angefertigt, die trotz mäßiger Erhaltung der Versteinerungen bei einiger Vorsicht nachfolgende Beschreibung gestatten. Die Gestalt ist im Verhältnis zur Breite ungewöhnlich lang gestreckt. Fig. 3 auf Taf. 11 entspricht etwa dem Durchschnitt. Je dichter gedrängt die koloniebildenden Rudisten wachsen, desto länger ziehen sie sich aus, wobei natürlich die Durchschnittsgröße der Art eine Rolle spielt. Beispiel: Hippurites (Orbignya) organisans Montfort. - Die oft kastanienbraune, z. T. auch gelbbraune Farbe dürfte nicht die ursprüngliche sein, da vereinzelt bräunliche, sehr dünne Adern auch das Gestein durchsetzen. Braungefärbte Rudisten treten z. B. bei Maniago in Friaul (Maastricht-Stufe) und in Orgon (Urgon) auf. Die Außenschicht der vorliegenden Stücke ist im Verhältnis zum Wohnraum dünn. Die Struktur konnte durch Dünnschliffe ermittelt werden (Taf. 11, Fig. 1 und 6). Die Hohlzellen sind im Vergleich zum schmalen Rand (Labrum) sehr groß. Ihre Gestalt ist eine rechteckige, die nur wenig in's Polygonale übergeht. Deutlich erkennt man in Fig. 1 den Zusammenhang zwischen Struktur und regelmäßigen Zuwachsstreifen. Die Sculptur ist nur auf den Querschnitten erkennbar (Kelch 2 u. 4). Es sind ganz flache, aber ausgedehnte Buchten zu beobachten. Bei gut erhaltenen Kelchen tritt die Zwischenschicht deutlich hervor und zeigt die auch bei anderen Radioliten erkennbare Verzahnung gegen die Außenschicht (Taf. 11, Fig. 1, Taf. 12). Die nur in geringen Resten zu beobachtende Innenschicht ist anscheinend sehr dünn. Zacken und Buchten der verschiedenen Kelche greifen ineinander ein (Taf. 11, Fig. 1, Taf. 12, Fig. Kelch 2 u. 3). Der Wohnraum bildet, wie bei vielen Sauvagesien, ein regelmäßiges Oval (Taf. 12). Vergleiche: Vergleicht man die Querschnitte der vorliegenden Stücke mit denjenigen PARONA'S, SO finden wir eine verblüffende Übereinstimmung in folgenden Merkmalen: a) Die äußere Form hat weitgehendste Ähnlichkeit mit der langgestreckten Gestalt unserer Stücke (Taf. 11, Fig. 3). b) Eine Übereinstimmung zeigt sich sogar in der Art und Weise, wie die Zacken des einen Kelches in die Buchten des anderen Kelches eingreifen. c) Die Siphonalzonen lassen in beiden Fällen flache Mulden, die von besonders hervortretenden Zacken abgegrenzt sind, erkennen. d) Die Ligamentfurche ist bei den vorliegenden, wie bei den Tripolis-Stücken, im Gebiet der Außenschicht nicht wahrnehmbar, in der Innenschicht erkennt man eine ganz feine Vertiefung. e) Der Wohnraum hat die bezeichnende ovale Form. ...