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Ein oligozänes Kliff bei Sorrent in Süditalien

Behrmann, Rolf B.

Kurzfassung

WALTHER & SCHIRLITZ (S. 299 f.) haben geglaubt, nachweisen zu können, daß an der Küste von Sorrent auf der Südseite des Golfes von Neapel seit dem Oligozän keine beträchtliche Strandverschiebungen stattgefunden haben. Auch die Berge der Sorrenter Halbinsel sollen im wesentlichen schon damals bestanden haben. In der Tat ist die Transgression des Alttertiärs auf Kreidekalk zwischen dem Capo di Sorrento und der Punta Baccoli am heutigen Strande vielerorts erschlossen. Es handelt sich dabei sowohl um transgredierendes Obereozän in der Fazies des sogenannten Macigno-Sandsteins (OPPENHEIM) wie um brekziöse Kalke und Sandsteine des übergreifenden oberen Mitteloligozäns (WALTHER & SCHIRLITZ). Da Eozän und Oligozän petrographisch einander sehr ähnlich sind, ist es oft nicht möglich, sie zu trennen. An der Punta di Lagna, von der im folgenden die Rede ist, beweisen jedoch zahllose Scutellen nach MAYER-EYMAR das oligozäne Alter der dortigen Sandsteine. Nähert man sich mit dem Boote der Punta di Lagna, so fallen zunächst die vielen kleinen Staffelbrüche auf, die Kreide und Oligozän zerstückeln (siehe Abb. 1). Das Oligozän besteht aus brekziösen rötlichen Kalken mit Muscheln- und Foraminiferenschalen. Die Kalke wechsellagern mit schräg geschichteten groben Sanden. In der Nachbarschaft (Abb. 2a) liegt gleichfalls die Basis des Oligozäns verschieden hoch. Doch ist sie hier nicht tektonisch verstellt. Vielmehr griff an der Punta di Lagna das oligozäne Meer auf ein stark gegliedertes Relief über. In den Klüften und Strudellöchern des verkarsteten Kreidekalkes sammelten sich Grünsande und feiner Kalkdetritus. Später wurde ein geringmächtiges Basalkonglomerat auf der Brandungsplattform sedimentiert; es besteht aus mehr oder weniger gerundeten Kalkbrocken, die zum Teil angebohrt sind, sowie aus zusammengeschwemmten Muschelschalen. Auf der Konglomeratbank setzten sich Austern fest. An einer höheren Schichtstufe der Kreidekalke wurden Sande angelagert (Taf. 14, Fig. 1). Als sie am Fuß der Lehne unterspült wurden, verloren sie ihren Halt und kamen so stellenweise ins Rutschen. Der feine schlammige Sand glitt wie ein großer Teppich abwärts. Dabei wurden die Schichten gestaucht und ein wenig aufeinander geschoben (Abb. 2a, Taf. 14, Fig. 2). ...