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Die Kreideablagerungen im Isergebiet (Nordostböhmen)

Andert, Hermann

Kurzfassung

Nachdem es mir gelungen war, im Elbsandsteingebirge und dem unmittelbar anschließenden böhmischen Kreideareal 200 m Sandstein und 80 m Tonmergel als Oberturon zwischen Mittelturon (einschließlich Spinosuszone) und Emscher neu auszuscheiden und diese Schichten als neues Glied in die sudetische Kreide einzufügen, stellte ich zunächst weiter das Vorkommen dieser Sandsteine in den Adersbach-Wekelsdorfer Felsen und an der Heuscheuer in der Grafschaft Glatz, sowie ferner in der Lähner Mulde und in der Löwenberger Kreide (Hockenau mit Inoceramus schloenbachi) fest. Es galt nun, auch zwischen dem Jeschken und der Heuscheuer im tschechischen Sprachgebiet diese oberturonen Sandsteine aufzusuchen. In den Jahren 1930 und 1931 studierte ich deshalb das Isergebiet. Im Nordflügel zwischen Turnau und Klein Skal erheben sich einige isolierte Sandsteinfelsberge (Drabovna, Sokol, Rotstein usw.). Der Sockel dieser Sandsteine besteht aus mittelturonen knolligen Kalksandsteinen und Plänermergeln. In ihnen fand ich die charakteristische mittelturone Fauna (S. 165), an der W-Seite der Drabovna, am Fuße der Sandsteinfelsen z. B. auch die Bryozoenbank, den Vertreter des obersten Mittelturons in Böhmen. Die hangenden und gipfelbildenden lichtgrauen und gelben Sandsteine konnten demnach nur dem Oberturon |ß angehören. Das Bild ist hier viel klarer als im sächsischen Elbtale, wo Mittelturon und Oberturon im allgemeinen nur aus lichten Sandsteinen bestehen. Weiter nach S über Turnau hinaus ergibt sich, daß die Sandsteingebiete der Groß Skaler und Prachover Felsen, die den vorgenannten petrographisch vollständig gleichen, ebenfalls dem Oberturon |ß zuzuteilen sind. In ihnen fand sich bei Prachov u. a. das Leitfossil der Zone, Inoceramus schloenbachi. Auch im Mittelturon dringen lichtfarbene Sandsteine von W her bis ins Isertal. Im großen Sandsteinbruch am Bahnhof Sychrov, nördlich von Turnau, konnte ich feststellen, daß über, unter und in dem lichtgrauen und lichtgelben Sandstein fossilreiche Bänke von Kalksandstein vorhanden sind, die auf mittelturones Alter hinweisen. Auch weiter südlich bis über Jungbunzlau hinaus (Profil 15 und 16) trifft man mittelturonen Quadersandstein. Östlich der Iser sowie südlich von Jungbunzlau gehen die Quadersandsteine bald in tonreiche Sandsteine und dunkle Mergel mit kieseligem Kalkstein über. Zwischen den mittelturonen Sandsteinablagerungen und dem Sandstein Oberturon |ß ist überall eine Mergelserie, das obere Mittelturon, festzustellen. Leider sind diese Schichten zwischen Turnau und Jièin sehr fossilarm. Die eigentliche Chlomekscholle mit Emschersandstein und oberturonen |-Tonmergeln als Liegendes ist durch die Wegnahme der oberturonen Sandsteine ganz bedeutend zusammengeschrumpft. Es bleibt nur ein kleines Gebiet übrig, der eigentliche Chlomekrücken von Jungbunzlau bis nach Podhradi, westlich von Jièin, und das nördlich anschließende Mergelgebiet von Unterbautzen-Sobotka. Durch das starke Einfallen der oberturonen Sandsteine |ß nach W und SW am Westrande der Prachover Felsen ist die Überlagerung der westlich anschließenden oberturonen Tonmergel über dem Sandstein in der Natur gegeben. So ist das von mir entdeckte sudetische Oberturon auch im Isergebiet einwandfrei nachgewiesen und zwar mit einem Sandstein, der in einer Mächtigkeit von 150 m noch erhalten ist, aber auch noch mächtiger sein könnte (? 200 m wie im sächsischen Elbtale) und mit der Tonmergelserie in einer Mächtigkeit von etwa 80 m, in derselben Mächtigkeit wie bei Böhm. Kamnitz usw. Die Tonmergel waren vor meinen Arbeiten auch hier wie überall in der sudetischen Kreide mit den obermittelturonen Plänermergeln in ein und denselben Horizont gestellt worden.